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 Home / Infothek  / Kundenmagazin  / Archiv  / 03/2009  / Gaspool

Grenzenloser Transport

Seit Anfang Oktober besteht das neue Marktgebiet GASPOOL. Doch was bedeutet das  für den Erdgasmarkt? Was ändert sich für Kunden und Händler? Der GASWINNER hat  nachgefragt.




Wie ein Puzzle haben sich die Marktgebiete von fünf deutschen Ferngasnetzbetreibern zusammengesetzt. Jetzt bilden sie eine Einheit, einen gemeinsamen Bilanzierungsraum für H-Gas. Das neue Marktgebiet sowie die für die Aufgaben des Bilanzkreismanagements zuständige Gesellschaft heißen GASPOOL. „Der Name GASPOOL passt perfekt zu unseren Zielen. Er steht für unseren Anspruch, mitten im Herzen Europas einen der führenden Gashandelsplätze Deutschlands zu gestalten“, sagt Ludger Hümbs, GASPOOL-Geschäftsführer.

Verschmolzen sind die Marktgebiete der fünf überregionalen Erdgastransportgesellschaften ONTRAS – VNG Gastransport und WINGAS TRANSPORT sowie der drei Unternehmen StatoilHydro Deutschland, Gasunie Deutschland und DONG Energy Pipelines, die gemeinsam das Marktgebiet H-Gas Norddeutschland bildeten.

„Die Zusammenlegung ist ein unverzichtbarer Baustein für die weitere Förderung des Wettbewerbes“, meint Matthias Kurth, Präsident der Bundesnetzagentur. Dadurch lasse sich Gas leichter durch Deutschland transportieren, ohne ständige Absprachen mit den Betreibern der Netze treffen zu müssen. Knapp 300 nachgelagerte Netze liegen in dem von den Partnern geschaffenen übergreifenden Transport- und Handelsraum. Sie verbinden die Importpunkte mit den Endkunden und sollen die Grundlage für einen offenen und wettbewerbsintensiven Erdgasmarkt in Deutschland bilden.

„Wenn es um den Gastransport in und aus dem Marktgebiet GASPOOL geht, dann funktioniert das System wie das Schengener Abkommen der EU“, erklärt Hümbs. „Um in die Union zu kommen, müssen Bürger an der Grenze ihren Ausweis vorzeigen, danach können sie sich frei bewegen und müssen ihn erst bei der Ausreise wieder vorlegen.“
 
Nach dem gleichen Prinzip arbeitet GASPOOL: Bei der Einspeisung des Erdgases in die Pipelinenetze des Marktgebietes schließt der Transportkunde einen Einspeisevertrag mit einem Einspeisenetzbetreiber im Marktgebiet GASPOOL. Das Erdgas kann dann an jeden Ausspeisepunkt im Marktgebiet geliefert werden, vorausgesetzt der Transportkunde hat mit dem Ausspeisenetzbetreiber einen Ausspeisevertrag geschlossen.



Das Magazin GASWINNER berichtet ausführlich über das neue Marktgebiet GASPOOL.
Anbindung an Lieferländer
 
„GASPOOL erleichtert den Transport und den Handel von Erdgas in Deutschland“, sagt Hümbs. Über die internationalen Netzkopplungspunkte werden alle Kunden im Marktgebiet an die wichtigsten Erdgaslieferanten Norwegen und Russland angeschlossen. Und 60 Prozent der deutschen Speicherkapazitäten liegen im GASPOOL-Gebiet. Einschließlich des größten Erdgasspeichers Westeuropas in Rehden. In dem WINGAS-Speicher können bis zu 4,2 Milliarden Kubikmeter Erdgas gespeichert werden.

Auch verbindet GASPOOL sechs EU-Länder miteinander: Polen, die Tschechische Republik, Dänemark, die Niederlande und Belgien grenzen mit ihren internationalen Netzkopplungspunkten an das deutsche Marktgebiet. Jetzt haben Transportkunden zwischen diesen Ländern einen durchgängigen Bilanzierungsraum.

„Auch hier gilt das Zweivertragsmodell – mit nur einem Ein- und einem Ausspeisevertrag kann Gas z. B. von Ellund in Dänemark durch das Marktgebiet nach Tschechien transportiert werden“, erklärt Hümbs. Händlern im Marktgebiet sollte jedoch klar sein, dass durch GASPOOL keine zusätzlichen physischen Transportkapazitäten geschaffen werden. Die Engpässe verlagern sich lediglich an die neuen Außengrenzen des Marktgebietes.

Auch der Handel am GASPOOL-Hub, einem virtuellen Handelspunkt zum Kauf und Verkauf von Erdgasmengen, wird transporttechnische Restriktionen berücksichtigen müssen.

Baustein für Wettbewerb
 
Über die Pipelines im Marktgebiet kann jeder Händler das Erdgas von den Importpunkten bis zu jedem Endkunden transportieren. Wer künftig Haushalts- oder Industriekunden im GASPOOL-Marktgebiet mit Erdgas beliefern möchte, muss dieses Gas lediglich in eines der Netze einspeisen oder es dort beziehungsweise am GASPOOL-Hub erwerben. Die Netzbetreiber sorgen dann dafür, dass das Gas zu den Endkunden gelangt. Bisherig notwendige Marktgebietsübertritte zwischen den Netzen der marktgebietsaufspannenden Netzbetreiber im GASPOOL-Gebiet entfallen. Dies wird neue Händler anlocken und die Intensität des Wettbewerbs weiter erhöhen.

Die Vorteile der Marktgebietskooperation sehen auch die Händler. „Die Abwicklung der Kundenbelieferung wird deutlich vereinfacht“, sagt Matthias Peter, Leiter der WINGAS-Verkaufsdirektion II. „Wir können heute zudem potenzielle Kunden erreichen, zu denen wir bisher keinen Zugang hatten.“

Bei Einführung des Entry-/Exitsystems gab es 28 Marktgebiete in Deutschland. Teilweise war diese Kleinteiligkeit auf die unterschiedlichen Gasqualitäten zurückzuführen – in Deutschland gibt es H- und L-Gasnetze. Hauptursache hierfür aber war, dass die deutschen Ferngasnetze im Eigentum vieler verschiedener Gesellschaften liegen.

Diese stehen zum Teil zueinander im Wettbewerb und begründeten so zunächst auch jeweils ein eigenes Marktgebiet. Kooperationsauftrag des Gesetzgebers führte dann dazu, dass in mehreren Schritten die Marktgebiete zusammengelegt wurden. Jetzt gibt es nur noch sechs Marktgebiete in Deutschland, drei für H-Gas und drei für L-Gas. Wichtiger Handelsplatz

„Durch das GASPOOL-Marktgebiet fließt etwa die Hälfte des in Deutschland transportierten H-Gases. Diese Mengen schaffen die Voraussetzung für einen liquiden Gashandel am GASPOOL-Hub“, erklärt Hümbs. Betreiber des neuen Marktgebietes und des Handelspunktes ist die GASPOOL Balancing Services GmbH mit Sitz in Berlin. Die Gesellschaft wird sich um das Bilanzkreis- und Regelenergiemanagement des Marktgebietes kümmern. Zudem können Marktteilnehmer direkt mit GASPOOL Regelenergie handeln. Diese Gasmengen oder Speicherprodukte sind notwendig, um den sicheren Betrieb der Netze des Marktgebietes und damit auch die Versorgung von Endkunden mit Erdgas jederzeit gewährleisten zu können. Es gibt Produkte mit Erfüllung am GASPOOLHub oder auch an klar definierten physischen Punkten.

„Wir wollen ein wichtiger Gashandelsplatz in Europa werden und den Wettbewerb weiter fördern. Dafür haben wir Grenzen abgebaut“, sagt Hümbs. Das Projekt sei erfolgreich angelaufen und stehe auch anderen Unternehmen offen.


»Stadtwerke können bei GASPOOL flexibel und schnell Gas handeln«



GASPOOL-Geschäftsführer Ludger Hümbs über den Start des neuen Marktgebietes und den Erdgashandel mit Stadtwerken. weiter

Kleines Markt-Lexikon

GASPOOL-Hub: Der GASPOOL-Hub ist ein virtueller Handelspunkt zum Erwerb und zur Veräußerung von Erdgasmengen. Registrierte Kunden, die über einen Bilanzkreis im Marktgebiet verfügen, nominieren die entsprechende Gasmenge für einen Zeitraum unter Angabe der Bilanzkreisnummer des Käufers beziehungsweise Verkäufers.
 
Marktgebiet: Ein Marktgebiet erstreckt sich von Importpunkten bis zu Ausspeisepunkten zu Letztverbrauchern. Innerhalb dieses Gebietes können Gasmengen flexibel genutzt werden. In Deutschland gibt es seit Oktober drei Marktgebiete für H-Gas: GAS POOL, NetConnect Germany (NCG) und Thyssengas (H-Gas). Zudem gibt es drei L-Gasmarktgebiete: Aequamus, E.ON Gastransport und Thyssengas (L-Gas).
 
Regelenergie: GASPOOL benötigt Regelenergie, um Unterschiede im Transportnetz auszugleichen. Die Gesellschaft kauft von den Marktteilnehmern diese Regelenergie, um Verluste zu decken oder verkauft sie, wenn Überkapazitäten bestehen. Im GASPOOL-Marktgebiet
müssen die Regelenergiemengen nicht mehr ausgeschrieben werden. Stattdessen kann
jeder Marktteilnehmer zu jeder Zeit online Regelenergie anbieten.
 
GASPOOL: GASPOOL ist ein Tochterunternehmen der Ferngasnetzbetreiber DONG Energy Pipelines GmbH, Gasunie Deutschland Transport Services GmbH, ONTRAS – VNG Gastransport GmbH und WINGAS TRANSPORT GmbH & Co. KG mit Sitz in Berlin. Zweck des Unternehmens ist der Betrieb eines übergreifenden Marktgebietes für H-Gas in Deutschland. Im Marktgebiet GAS POOL gehen die ehemaligen Marktgebiete H-Gas-Norddeutschland (mit Statoil-Hydro Deutschland GmbH), ONTRAS und WINGAS TRANSPORT zum 1. Oktober 2009 auf.