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»Mit Erdgas erreichen wir Klimaziele«


Ulrich von Deessen, Klimaschutzbeauftragter der BASF, über Möglichkeiten der Industrie, mithilfe von Erdgas und effizienten Technologien erhebliche Mengen Energie einzusparen .
 
Herr von Deessen, der BASF-Standort in Ludwigshafen ist einer der größten Energiekonsumenten in Europa. Können Sie überhaupt klimaschonend wirtschaften?
 
Als größtes Chemieunternehmen weltweit tragen wir auf zwei Weisen zum Klimaschutz bei: Erstens ermöglichen unsere Chemieprodukte, wie zum Beispiel Dämmstoffe für Häuser und spezielle Kunststoffe für Windräder, die Steigerung der Energieeffizienz und die Entwicklung neuer klimafreundlicher Technologien. Zweitens steigern wir selber die Energieeffizienz in unserer Produktion und reduzieren dadurch die Treibhausgasemissionen im Herstellungsprozess.

Welche Klimaschutzziele haben Sie sich gesetzt?

Im Zeitraum 1990 bis 2002 haben wir die Treibhausgasemissionen absolut um 38 Prozent, spezifisch sogar um 61 Prozent gesenkt. Bis 2020 wollen wir noch einen großen Schritt weiterkommen und haben uns daher 2008 das neue ehrgeizige Ziel gesetzt, die spezifischen Treibhausgasemissionen im Vergleich zum Jahr 2002 um weitere 25 Prozent zu senken. Außerdem ist es unser Ziel, im selben Zeitraum die Energieeffizienz unserer Produktionsprozesse um 25 Prozent zu erhöhen.

Kann Erdgas dabei helfen, diese Ziele zu erreichen?

Erdgas spielt dabei eine wichtige Rolle. Von allen fossilen Primärenergieträgern hat es den geringsten Ausstoß an CO2 pro Einheit erzeugter Energie. Neben dem Einsatz des richtigen Energieträgers ist es aber auch noch entscheidend, eine möglichst effiziente Technologie zur Umwandlung des fossilen Brennstoffs in Strom und Wärme einzusetzen.

Auf welche Technologie setzten Sie bei BASF?

Wir decken 75 Prozent des weltweiten Strombedarfs mit Gas- und Dampfturbinen. Wir setzen auf diese Technologie, weil der Wirkungsgrad für die Stromerzeugung bei etwa 60 Prozent liegt. Zum Vergleich: Braunkohle hat einen Wirkungsgrad von 43 Prozent, Steinkohle kommt auf 47 Prozent.
 
Wie funktioniert diese Technologie?
 
In einer GuD-Anlage stecken eigentlich zwei Kraftwerke: ein Gasturbinen-Kraftwerk und ein Dampfturbinen-Kraftwerk. Das Herzstück ist eine erdgasbefeuerte Turbine, deren Drehbewegung an einen Generator übertragen wird. Dadurch wird – ähnlich wie bei einem Fahrraddynamo – Strom erzeugt. Mit den heißen Abgasen der Gasturbine wird außerdem Dampf hergestellt, der über die Dampfturbine einen weiteren Stromgenerator antreibt. Im Anschluss gelangt der Dampf in unsere Produktionsbetriebe und wird dort als Heizenergie genutzt – die sogenannte Kraft- Wärme-Kopplung. Der Gesamtwirkungsgrad, mit dem die im Erdgas enthaltene Energie in Strom und Wärme umgewandelt wird, steigt damit auf rund 90 Prozent.
 
Welche Vorteile hat das für BASF und die Umwelt?
 
Weltweit spart BAS F durch gasbasierte Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen im Vergleich zur konventionellen Strom- und Dampferzeugung in getrennten Anlagen jährlich fossile Brennstoffe in Höhe von etwa einer Million Tonnen Rohöläquivalente ein und damit auch 2,3 Million Tonnen CO2-Emissionen. Für uns ist dies ein Schlüssel, um Klimaschutz und wirtschaftliche Vorteile miteinander zu verbinden.
 
Gelten diese Pluspunkte auch für andere Unternehmen?
 
Entscheidend ist, welche Form von Energie das jeweilige Unternehmen benötigt. In der BAS F können wir sowohl den Strom als auch die Wärme aus dem GuD-Kraftwerk einsetzen. Deswegen ist der Wirkungsgrad so groß.
 
Kann ein Unternehmen wie BASF in Zukunft ganz auf fossile Energieträger verzichten?
 
Diese Frage beschäftigt uns als energieintensives Unternehmen stark. Drei Dinge müssen dabei ausbalanciert werden: die Versorgungssicherheit, die Wettbewerbsfähigkeit und der Klimaschutz. Das ist auch in Zukunft nur durch einen ausgewogenen Energiemix mit fossilen und erneuerbaren Energien möglich.


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