Berlin. Spotmarkt vs. Ölpreisbindung, Shale Gas, Gasüberangebot – der weltweite Erdgasmarkt hat sich im Laufe weniger Monate rasant verändert, Prognosen haben sich ins Gegenteil verkehrt. Mechanismen, die gestern noch die Urbasis des Geschäftes bildeten, gelten plötzlich nicht mehr. Beim vom russischen Gasverband Russia Gas Society und der europäischen Interessenvertretung Eurogas organisierten „Energiedialog Russland – EU“ in Berlin diskutierten jetzt europäische und russische Gasunternehmen, Politiker, Interessenverbände sowie Wissenschaftler über die aktuellen Entwicklungen auf dem Gasmarkt.
Der Wintershall-Vorstandsvorsitzende Dr. Rainer Seele sprach angesichts der Umwälzungen auf dem Gasmarkt von einer „Neuvermessung der Welt“. „Die Situation auf den Weltgasmärkten verändert sich. Aus regionalen, kontinentalen Erdgasmärkten wird zunehmend ein globaler Markt – und seine Gestaltung ist eine globale Aufgabe aller Beteiligten: Der Produzenten, der Abnehmerländer und der Politik“, erklärte Seele vor über 350 Teilnehmern der Energiekonferenz. „Unsere Aufgabe ist es, den Wert des Produktes Erdgas zu erhalten und zu sichern und dabei gleichzeitig den Wettbewerb zu stützen“, so Seele weiter. „Schon jetzt ist klar: Neue Investitionen in neue Gasproduktionen werden sich bei der augenblicklichen Überschusssituation verzögern. Der Wintershall-Vorstand geht davon aus, dass die aktuelle Situation auf dem Gasmarkt und damit das Überangebot noch die nächsten zwei bis drei Jahre anhalten wird.
Seele rief die Politik auf, auch ihren Beitrag für eine sichere Energieversorgung Europas zu leisten. „Neue Investitionen in die Transportinfrastruktur – wie die Nord Stream – lassen sich nur realisieren, wenn auch die Politik Verantwortung übernimmt“, sagte Seele. „Daher brauchen wir ein klares Signal, dass Erdgas als ökonomisch und ökologisch sinnvoller Energieträger im europäischen Energiemix langfristig gewollt ist.“ Gebraucht werden Rahmenbedingungen, die eine langfristige Planbarkeit schaffen und mehr Investitionsanreize setzen. „Schon heute deckt Erdgas ein Viertel des weltweiten Energieverbrauchs – und wir tun gut daran, auch künftig auf Erdgas zu setzen“, betonte der Wintershall-Vorstand. „Erdgas ist im Vergleich zu anderen fossilen Energieträgern reichlich vorhanden, es ist kostengünstig und klimafreundlich und zudem die optimale Ergänzung zu den Erneuerbaren Energien.“

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Seit 2000 findet der "Energiedialog" als regelmäßiger Austausch der Energiebranche statt. Zentrales Thema sind die Beziehungen zwischen Russland und der EU auf dem Gassektor.
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