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WINGAS-Geschäftsführer appelliert in Aachen an Stadtwerke:

" Wahlfreiheit beim Gasbezug nutzen und damit kommunale Standortvorteile nachhaltig sichern"
 
Kassel/Aachen. Statt die Entwicklung von Wettbewerb im deutschen Erdgasmarkt in erster Linie mit der Ausgestaltung des Netzzuganges zu verknüpfen, sollten viel mehr auch andere Entwicklungen in der deutschen Gaslieferkette einbezogen werden, fordert jetzt Dr. Gerhard König, Geschäftsführer und Leiter des Geschäftsbereiches Vertrieb der WINGAS GmbH, anlässlich der ICG Stadtwerketagung "Multitalent Stadtwerke" in Aachen. Der Wettbewerb im Gasmarkt werde keineswegs nur durch geeignete und optimierte Netzzugangsmodelle bestimmt, meint König. Die kommunalen Gasversorger forderte der WINGAS-Geschäftsführer in Aachen auf, ihre Wahlfreiheit zu nutzen und ihr Beschaffungsportfolio zu diversifizieren, um ihre kommunalen Standortvorteile zu sichern.
 
"Die EU-Kommission in Brüssel meint, die Wechselquoten in Deutschland seien zu gering. Und daraus hat sie den Schluss gezogen, das deutsche Modell des Netzzuganges auf Basis freiwilliger Vereinbarungen funktioniere nicht und müsse daher neu geregelt werden", sagte König auf der Tagung. Doch die Wechselquoten im Haushalts- und Endkundenbereich werden sich nach Einschätzung Königs auch mit regulierten Netzzugangs-bedingungen nicht wie im angeblichen Vorbildmarkt Großbritannien entwickeln. Die Wertschätzung und Akzeptanz der Endverbraucher für den vorbildlichen "Rund-um-Service" der kommunalen Dienst-leistungsunternehmen drücke sich in der Bundesrepublik in geringen Wechselraten aus. "Daher ist es in Deutschland umso mehr von zentraler Bedeutung, dass auf der Stadtwerkeebene ein Lieferwettbewerb auch zum Wohle der Endverbraucher stattfindet", ist der WINGAS-Geschäftsführer überzeugt.
 
"In einem Wettbewerbsmarkt werden letztendlich die Unternehmen, die ihre Kostensituation optimiert haben, als Gewinner dastehen", so König: "Kein Industrieunternehmen etwa verlässt sich bei der Beschaffung seines wichtigsten Produktes blind auf lediglich einen Vorlieferanten. Denn das würde den Verlust von Marktübersicht und Verhandlungsmacht und damit suboptimale Zukunftsvorsorge bedeuten."
 
Nach geltender Rechtslage habe jedes Stadtwerk in Deutschland heute die Möglichkeit, ein Bezugsportfolio aus mindestens zwei Lieferanten aufzubauen und damit seine strategische Position bei zukünftigen Verhandlungen im Wettbewerb entscheidend zu verbessern. "Hier bieten sich für alle Stadtwerke, die noch über alte Verträge aus Monopolzeiten verfügen, nun beste Chancen, ein Bezugsportfolio mit mehreren Lieferanten aufzubauen und sich fit für den Wettbewerb zu machen."
 
Weitere Chancen zur Ergänzung des Bezugsportfolios hätten sich nach der Ministererlaubnis im Falle der Fusion E.ON/Ruhrgas eröffnen sollen. "Etwa 60 Stadtwerke in Deutschland waren von der 20-Prozent-Freimengen-Auflage betroffen. Jedoch waren die davon erfassten Gasmengen zu keinem Zeitpunkt frei für den Wettbewerb." Als Ursache hierfür bezeichnete König eine Preispolitik mit Subventionscharakter sowie die Problematik der Unterscheidung von Bedarfs- und Liefermengen bei der Definition der Basis für die 20-Prozent-Freimengen. Das Ergebnis sei allen bekannt: "Mehr Wettbewerb auf der Bezugsseite der Stadtwerke habe es mit der 20-Prozent-Freimengen-Auflage jedenfalls nicht gegeben", kritisiert König.
 
Als weitere Entwicklung, die für den Wettbewerb auf der Bezugsseite der Stadtwerke hinderlich ist, bezeichnet der WINGAS-Geschäftsführer die Auswirkungen der Beteiligungspolitik von Vorlieferanten im deutschen Energiemarkt. Zu Recht würden daher heute Beteiligungen auch unterhalb der relevanten Beteiligungshöhe von 25 Prozent bereits kritisch auf mögliche Wettbewerbseffekte und Einflussnahmen geprüft - leider betreffe dieses Vorgehen nicht auch die bereits realisierten Beteiligungserwerbe.
 
Die kommunalen Gasversorger forderte der WINGAS-Geschäftsführer auf, ihre Wahlfreiheit zu nutzen und ihr Beschaffungsportfolio zu diversifizieren: "Der strategische Spielraum der Stadtwerke würde sich deutlich vergrößern, die Verhandlungsmacht gegenüber den Vorlieferanten erhöhen. Mit mehreren Vorlieferanten entstehen Freiheitsgrade, die aus strategischer Sicht angesichts des sich zukünftig verschärfenden Wettbewerbs auch um kommunale Standortvorteile enorm sind."
 
Hinweis für Journalisten:
 
Die WINGAS GmbH mit Sitz in Kassel ist ein Gemeinschaftsunternehmen der Wintershall (65 %) und der russischen OAO Gazprom (35 %). Seit 1990 ist sie in der Gasversorgung tätig und liefert über ihr inzwischen mehr als 2.000 Kilometer langes Leitungsnetz Erdgas an Stadtwerke, größere Industriebetriebe und regionale Gasversorgungsunternehmen.


P-10 - 25.11.2003

Kontakt
Antje Schabacker
Tel.: +49 561 301-3301
Fax: +49 561 301-1321
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