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Der Erdgasmarkt in Belgien

In Belgien werden derzeit rund 17 Mrd. Kubikmeter Erdgas im Jahr verbraucht. Der Anteil von Erdgas am Primärenergieverbrauch in Belgien liegt damit bei etwa 23 % (in Deutschland ca. 22 %). Das Erdgas stammt aus Norwegen, den Niederlanden und Algerien. Über die Infrastruktur der WINGAS, die bei Eynatten/Aachen mit dem belgischen Erdgasnetz verbunden ist, gewinnt Belgien zusätzlich wichtigen Zugang auch zu russischem Gas. Im vergangenen Jahr nutzten insgesamt ca. 2,5 Mio. Kunden Erdgas, davon ca. 100.000 Kunden aus Industrie und Gewerbe. Im Vergleich zum Jahr 2001 stieg die Gesamtzahl der Kunden um ca. 5 % an. Das belgische Pipelinenetz hat eine Länge von rund 56.000 km. In der belgischen Gasindustrie sind ca. 3.700 Arbeitskräfte beschäftigt.
 
Liberalisierung
 
Der Liberalisierungsprozess wurde in Belgien durch ein Gesetz vom 16. Juli 2001 beschleunigt. Die Mindestabnahmemenge für Kunden, die ihren Erdgasanbieter frei wählen dürfen, wurde abgesenkt. Die Öffnung des belgischen Gasmarktes erfolgt allerdings mit regional unterschiedlichem Tempo: In der Region Flandern, in der rund 60 % der 2,5 Mio. Erdgaskunden ansässig sind, dürfen schon heute alle Erdgasverbraucher ihren Lieferanten frei wählen. In den übrigen Regionen wurde der Gasmarkt für große und mittlere Verbraucher liberalisiert. Hier dürfen Kunden mit einem jährlichen Verbrauch von 5 Millionen Kubikmetern und mehr ihren Lieferanten frei wählen. Eine weitere Öffnung des Marktes für Industrie- und Gewerbekunden in den Regionen Wallonien und Brüssel ist zum 1. Januar 2004 vorgesehen. Der belgische Markt wird dann im Nicht-Haushaltsbereich zu 90 % geöffnet sein.
 
Der Rechtsrahmen gestattet somit europäischen Erdgasunternehmen, darunter auch der WINGAS, den Zugang zum belgischen Gasmarkt. Nach wie vor dominiert jedoch noch immer die belgische Distrigaz mit einem Marktanteil von weit über 90 % das Marktgeschehen. Die Aktivitäten anderer Unternehmen bleiben aufgrund der noch herrschenden Unsicherheiten bezüglich der Öffnung des Gasmarktes stark eingeschränkt. Wenn auch die Tarife für die Nutzung des Transportnetzes bekannt sind, gibt es doch noch eine Vielzahl von Problemen bei der praktischen Umsetzung des Netzzugangs. Insbesondere ist hier der Umgang mit unterschiedlichen Erdgasqualitäten zu nennen: Praktisch wird es Wettbewerbern unmöglich gemacht, wie in anderen Märkten Regelungen für die Anpassung der Gasqualität zu vereinbaren. Dies schließt Investitionen in so genannte Konditionierungsanlagen ein, mit denen beispielsweise in Deutschland derartige Probleme gelöst werden. Nur durch ein Aufbrechen dieser Qualitätsdemarkation werden auch die Verbraucher von niederkalorischem Erdgas in Belgien ihren Lieferanten frei wählen können. Als weiteres Hemmnis sind die großen Schwierigkeiten zu sehen, neue Erdgasleitungen im Wettbewerb zu errichten. Zahlreiche Barrieren behindern noch immer den freien und fairen Wettbewerb und damit wirksame Maßnahmen zur Erhöhung der Versorgungssicherheit.
 
 
Die Regulierungsbehörden
 
Die "Commission de Régulation de l'électricité et du gaz" (CREG) ist das föderale Organ für die Regulierung des Gas- und Elektrizitätsmarktes in Belgien. CREG ist eine unabhängige Behörde, die am 29. April 1999 ins Leben gerufen wurde, um den belgischen Gas- und Elektrizitätsmarkt zu steuern und zu regulieren. CREG berät öffentliche Institutionen und überwacht die Einhaltung von Gesetzen und Richtlinien. Auf regionaler Ebene wird dies von der VREG ("Vlaamse Reguleringsinstantie voor de Elektriciteits- en Gasmarkt") in Flandern und CWAPE ("Commission wallone pour l'Energie") für die Wallonie wahrgenommen. Für die Region Brüssel ist das "Conseil Economique et Social de la Région de Bruxelles-Capitale" zuständig.
 
 
Ausblick
 
Inwieweit die durch den belgischen Gesetzgeber festgelegten Ziele der Marktöffnung tatsächlich zu neuen Wahlfreiheiten bei den Kunden führen, hängt letztlich ganz entscheidend davon ab, ob die derzeit noch bestehenden faktischen Marktzugangsbarrieren für neue Anbieter schnellstmöglich abgebaut werden. Die belgischen Wettbewerbs- und Regulierungsbehören, aber auch die EU-Kommission, sind hier gefragt.


P-6a - 26.08.2003

Kontakt
Michael Sasse
Tel.: +49 561 301-3301
Fax: +49 561 301-1321
presse(@)wingas.de
 
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