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Gerhard König


"Stadtwerke bleiben unverzichtbar für Energieversorgung"

Im siebten Jahr der Liberalisierung des deutschen Energiemarkts ist das prophezeite "Stadtwerkesterben" ausgeblieben. Gleichwohl sehen sich viele Kommunen aus wirtschaftlichen Gründen gezwungen, ihre Betriebe ganz oder teilweise an andere Energieversorger oftmals vorgelagerter Versorgungsstufen zu verkaufen. Ist das auch für die Zukunft der vorgezeichnete Weg, den die Stadtwerke beschreiten werden? Oder gibt es Alternativen? Darüber sprach DEMO mit WINGAS-Geschäftsführer Dr. Gerhard König.
 
Ihr Unternehmen setzt sich seit Jahren konsequent für die Eigenständigkeit der Stadtwerke ein. Wozu dieser Einsatz?
 
Dr. Gerhard König: "Weil wir für einen echten Wettbewerb mit einer Vielzahl von Teilnehmern sind. Nur unabhängige und aus eigener Kraft starke Stadtwerke können den Wettbewerb garantieren - und haben dann auch gute Chancen, im liberalisierten Markt ihre Positionen zu festigen und auszubauen. Vor allem für kommunale Versorgungsunternehmen wird es immer wichtiger, flexibel auf veränderte Rahmenbedingungen reagieren zu können. Dazu gehört allerdings unternehmerische Entscheidungsfreiheit. Dass sie im Falle einer "strategischen" Beteiligung eines Fern- oder Regionalversorgers an einem Stadtwerk gewahrt bleibt, bezweifle ich stark."
 
Aber oftmals scheint der Verkauf für die Kommune die einzige Möglichkeit, ihre derzeitigen finanziellen Engpässe zu lösen.
 
König: "Es mag im Einzellfall betriebswirtschaftlich gerechtfertigt sein. Ein Verkauf bringt jedoch für die Kommune meistens nur eine temporäre Entlastung. Ganz zu schweigen vom schleichenden Verlust des eigenen Know-how in vielen Kernbereichen und der Abgabe der unternehmerischen Entscheidungsfreiheit an Dritte.
 
Aber noch kritischer ist, dass den kommunalen Entscheidungsträgern suggeriert wird, dass ein Verkauf die einzige Überlebenschance für Stadtwerke sei. Und das obwohl Denn jedes Stadtwerk in Deutschland hat nach der heutigen Rechtslage die Möglichkeit hat, ein Bezugsportfolio aus mindestens zwei Lieferanten aufzubauen und damit seine strategische Position bei zukünftigen Verhandlungen im Wettbewerb entscheidend zu verbessern. Das Stadtwerk kann bessere Vertragsbedingungen aushandeln und so einen messbaren Beitrag zur Sicherung seines kommunalen Standortes leisten.
 
Allgemein entwickelt sich das Thema 'Energie' für Kommunen zu einem wichtigen Standortfaktor im Wettbewerb um lukrative Gewerbeansiedlungen. Hier kann ein Lieferantenwettbewerb für die Kommunen nur von Vorteil sein."
 
Sie sehen also durchaus Potenziale, wie die Stadtwerke unter Wahrung ihrer Eigenständigkeit ihre Marktpositionen behaupten können?
 
König: "Zweifelsohne! Und diese Potenziale gründen sich auf fundamentale Stärken. Die kommunalen Unternehmen besitzen eine hohe Anerkennung in der Gunst der Kunden. Endverbraucher vertrauen dem Vor-Ort- Energieversorger mit ihrem vorbildlichen Rund-um-Service . Kommunale Versorger sind und bleiben ein wichtiges Glied in der Energielieferkette. Daran wird nach meiner Einschätzung auch die neueste Brüsseler Initiative zum regulierten Netzzugang und zum Unbundling nicht sehr viel ändern."
 
Die Position Ihres Unternehmens ist klar formuliert. Jedoch: Wie können die Stadtwerke konkret ihre Potenziale ausschöpfen?
 
König: "Wie für jedes andere Unternehmen gibt es auch für die Stadtwerke Faktoren, die den Erfolg im Wettbewerb begründen. Ein Faktor ist wie gesagt eine optimierte Beschaffung. Aber es gibt weitere Faktoren, beispielsweise flexible Lieferkonditionen, variable Preisanbindungen oder Netzoptimierungsmodelle. Es lohnt sich für Stadtwerke immer, sich mit den Angeboten verschiedener Lieferanten zu befassen und diese zu vergleichen.
Auch ein Ansatz zur optimalen Vermarktung gehört für die Stadtwerke im Zeitalter der Liberalisierung des Energiemarkts zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren. Auch die Angebote eines Lieferanten auf diesem Gebiet sollten Stadtwerke kritisch auf den konkreten Nutzen vor Ort hin bewerten und in die Entscheidung mit einbeziehen."
 
Vor einigen Wochen hat Ihr Unternehmen einen neuen Firmenleitsatz vorgestellt: "Gemeinsam mehr Energie". Was darf man darunter verstehen?
 
König: "Wir arbeiten mit unseren Kunden nach dem Prinzip gleichberechtigter Partnerschaft zusammen. Und wir sprechen mit dieser Botschaft auch alle potenziellen Kunden an, wie etwa zur Zeit in Nordbayern. Durch die Zusammenarbeit mit unseren Kunden beweisen wir, dass eine faire Partnerschaft auf Augenhöhe Vorteile für beide Partner mit sich bringt."