Nord Stream*: Neue Wege der Gasversorgung für EuropaIn Europa machen die steigende Gasnachfrage sowie die sinkende eigene Förderung von Erdgas den Ausbau der Leitungskapazitäten erforderlich. OAO Gazprom, E.ON Ruhrgas AG und Wintershall AG werden mit Nord Stream die benötigten zusätzliche Transportkapazitäten schaffen. Westeuropa erhält auf diese Weise direkte Anbindung an russische Gasvorkommen.Nord Stream wird die russische Ostseeküste bei der Stadt Vyborg mit der deutschen Ostseeküste in der Höhe von Greifswald verbinden. Nord Stream wird Erdgas nach Deutschland transportieren, von wo es nach Dänemark, Niederlande, Belgien, Grossbritannien und Frankreich gelangen kann. Technische Aspekte Die Leitung hat eine Länge von rund 1.200 Kilometer. Sie soll 2010 in Betrieb gehen, wobei zunächst ein Leitungsstrang mit einer Transportkapazität von rund 27,5 Mrd. Kubikmetern Erdgas pro Jahr gebaut wird. In der zweiten Phase wird die Transportkapazität mit einem weiteren Leitungsstrang auf rund 55 Mrd. Kubikmeter pro Jahr verdoppelt. Die Gesamtinvestition für diese Pipeline in der Ostsee beträgt bei zwei Leitungssträngen ca 6 Milliarden Euro. Das technische Konzept für den Bau der Pipeline sieht Rohre mit einem Außendurchmesser von 1220 mm, einen Betriebsdruck bis zu 220 bar, keine Verdichterstation auf dem Meer, jedoch eine Riser-Plattform als Bestandteil des Wartungskonzeptes vor. Optimaler Routenverlauf Sämtliche Vorschläge für den Routenverlauf basieren auf einer langjährigen und umfassenden Analyse von Faktoren der Technik, Ökologie, Wirtschaftlichkeit und Versorgungssicherheit. Bereits zwischen 1997 und 1999 wurden in ersten Machbarkeits-studien alternative Routen bewertet. Die vorgeschlagene Route erwies sich dabei als der am besten geeignete Weg, um Gas aus den weltweit größten Lagerstätten in Russland nach Europa zu transportieren. Mehrere Tausend Kilometer Gasleitungen durch Meere zeigen, dass Seeleitungen eine international anerkannte Alternative zu Gasleitungen auf dem Lande darstellen. Die Offshore-Route der Pipeline wurde mit Blick auf einen möglichst direkten Verlauf ausgewählt. Ökologisch sensible Gebiete, militärische Sperrzonen, wichtige Schifffahrtswege und Bereiche, die besonderen Wirtschaft- oder Freizeitzwecken dienen, werden umgangen oder in den technischen Planungen in besonderer Weise berücksichtigt. Der Trassenverlauf wurde nach sorgfältigster Analyse so geplant, dass die Leitung nicht in der Nähe von Munitionsdeponien verläuft. Der Meeresboden wird vor Verlegung der Leitungen gründlich untersucht. Hohe Umweltstandards gewährleistet Die Nord Stream AG hat sich dem Ziel verschrieben, die Meeresumwelt der Ostsee zu erhalten. Deshalb wurde der Leitungsverlauf unter besonderer Berücksichtigung der Umweltbedingungen in der Ostssee geplant. Bau und Betrieb der Leitungen entsprechen nationalen und internationalen Gesetzgebungen ebenso wie den hohen Umweltstandards der Gesellschafter und ihrer international anerkannten Praxis. Als grenzübergreifendes Projekt unterliegt Nord Stream internationalen Abkommen sowie der nationalen Rechtsprechung der Länder, durch die die Trasse verläuft. Es sind Umweltverträglichkeitsprüfungen (UVP) in grenzübergreifendem Zusammenhang gemäß dem Espoo-Abkommen und der nationalen Gesetzgebungen durchzuführen. Die Leitung verläuft durch die “Ausschließlichen Wirtschaftszonen” von Russland, Finnland, Schweden, Dänemark und Deutschland sowie durch Territorialgewässer von Russland und Deutschland. Umfassende Umweltverträglichkeitsprüfung Zur Vorbereitung des Genehmigungsverfahrens wurde im Kontakt mit Behörden von Ostseeanrainerstaaten und Organisationen der Erhebungs- und Informationsbedarf abgestimmt. Als erster Schritt des Genehmigungsverfahrens erfolgt die Notifizierung des Projekts in den entsprechenden Ländern Mitte November 2006. Nach Beteiligung der Öffentlichkeit werden die Länder in wenigen Monaten ihren detaillierten Untersuchungsbedarf mitteilen. Entsprechende Umweltverträglichkeitsprüfungen finden im gesamten Trassenverlauf statt. Momentan laufen auf der Basis von Helcom-Daten detaillierte Felduntersuchungen zur Erfassung des maritimen Umfelds einschliesslich Fauna, Flora, Wasser und Sedimenten entlang des Trassenverlaufes. Im Herbst 2007 wird die Nord Stream AG einen umfassenden Umweltbericht übergeben. Die Genehmigung des Projekts wird für Beginn 2008 angestrebt. Russische Festlandanbindung bereits im Bau Bereits im Dezember 2005 hat Gazprom in Babajewo, 351 Kilometer östlich von St. Petersburg, mit dem Bau des 917 Kilometer langen Landabschnittes der neuen Gasleitung Gryazovetz-Vyborg begonnen. Dieser Abschnitt wird die bestehenden Gasleitungen aus Westsibirien an Nord Stream anbinden. Sieben Kompressorstationen sorgen künftig dafür, dass das Gas von der Quelle in Sibirien auf dem Weg an die russische Ostseeküste bei Wyborg in den Pipelines ausreichend verdichtet und transportiert wird. Zwei Anbindungsleitungen auf dem deutschen Festland in Richtung Süd und West mit einer Gesamtlänge von 850 km werden durch Wingas Transport und E.ON Ruhrgas errichtet. Dieser Bau ist Gegenstand separater Vereinbarungen. Zusätzliche Transportkapazitäten benötigt Nach Schätzungen der Internationalen Energieagentur (IEA) steigt der globale Energiebedarf bis 2020 im Vergleich zu 2003 um ein Drittel. Erdgas als fossiler Brennstoff mit den geringsten Emissionswerten erfährt eine besondere Nachfrage. In Europa wird der Bedarf von rund 500 Mrd. Kubikmeter im Jahr 2003 auf 600 bis 700 Mrd. Kubikmeter im Jahr 2015 anwachsen. Da gleichzeitig die Eigenförderung innerhalb der Europäischen Union abnimmt, werden zukünftig Importe rund 75 Prozent des europäischen Bedarfs im Vergleich zu 50 Prozent im Jahr 2003 decken müssen. Von strategischem Vorteil erweist sich für Europa die Nähe zu Russland als das Land mit den größten verfügbaren Erdgasreserven und einem Anteil von 23 Prozent an der weltweiten Erdgasförderung im Jahr 2004. Erdgaslieferungen sind deshalb ein wichtiges Thema des Energiedialogs zwischen der Europäischen Union und der Russischen Föderation. Dabei spielt der notwendige Ausbau vorhandener Infrastrukturen eine wichtige Rolle. Die Empfehlungen der EU-Kommission an den Rat im Dezember 2004 orientieren unter anderem darauf, „die Kapazität der Transportnetze auszubauen und Investitionen zu fördern.“ EU bestätigt Bedeutung des Projekts Die EU erachtet Nord Stream als ein der vorrangiges Energieprojekt von gesamteuropäischem Interesse. Im Jahr 2000 wurde das Projekt Bestandteil Transeuropäischen Netzwerks der Energie(TEN-E). Dieser Status wurde im Rahmen einer Prüfung der entsprechenden Richtlinien Mitte 2006 erneut bestätigt. Nord Stream ist somit ein Schlüsselprojekt für mehr Nachhaltigkeit und Sicherheit der Energieversorgung in Europa. Der beschleunigte Bau dieser wichtigen grenzübergreifenden Verbindung sollte deshalb die Unterstützung der EU-Mitglieder finden. Die TEN-Energy Guidelines, und damit auch das Nord Stream-Projekt, spiegeln die drei Ziele der EU-Energiepolitik - Nachhaltigkeit, Wettbewerb und Versorgungs-sicherheit - wider. Transeuropäische Energienetze stehen in Einklang zu den übergeordneten Zielsetzungen der europäischen Energiepolitik - der Steigerung des Wettbewerbs im Strom- und Gasmarkt, der Förderung der Versorgungssicherheit sowie des Umweltschutzes (Artikel 154-156 des Amsterdamer Vertrags aus dem Jahr 1997). Angesichts der zunehmend starken Abhängigkeit Europas von Gasimporten in den kommenden 20 bis 30 Jahren ist es Ziel der TEN-Politik, zusätzliche Gasimportkapazitäten zu sichern und zu diversifizieren, unter anderem durch die Erhöhung der Transportkapazitäten von Importpipelines. Der Status TEN bedeutet auch, dass Nord Stream von der EU als Leitungsprojekt anerkannt ist, das europäische Märkte über moderne und effiziente Infrastruktur miteinander verbindet und ein Element für mehr Wirtschaftswachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen darstellt. Mit einer voraussichtlichen Investitionssumme von ca 6 Mrd. Euro macht Nord Stream einen wesentlichen Teil der insgesamt 19 Mrd. Euro aus, welche die EU für die Gasversorgungsprojekte von gesamteuropäischem Interesse bis 2013 für erforderlich erachtet. Strukturen geschaffen Das russisch-deutsche Gemeinschaftsunternehmen North European Gas Pipeline Company (heute Nord Stream) wurde im Dezember 2005 für die Planung, den Bau Bau und den Betrieb der Nordeuropäischen Gasleitung durch die Ostsee gegründet. OAO Gazprom ist mit 51 %, Wintershall AG und E.ON Ruhrgas AG sind mit jeweils 24,5 % an dem gemeinsamen Unternehmen beteiligt. Am 30. März 2006 waren die Mitglieder des Aktionärsauschusses zu ihrer ersten offiziellen Sitzung in Moskau zusammengekommen. Das Gremium vertritt die Interessen der Gesellschafter OAO Gazprom, E.ON Ruhrgas AG und Wintershall AG. Von den acht Sitzen im Aktionärsausschuss halten Wintershall und E.ON Ruhrgas jeweils zwei Sitze, während Gazprom über die restlichen vier Sitze verfügt. Zum Vorsitzenden des Aktionärsausschusses wurde auf der Sitzung einstimmig Gerhard Schröder gewählt. Der Aktionärsausschuss beschloss zudem Matthias Warnig, Aufsichtsratvorsitzender der Dresdner Bank ZAO in der Russischen Föderation, zum Geschäftsführer der Gesellschaft zu berufen. Am 4. Oktober 2006 wurde das Unternehmen in Nord Stream AG umfirmiert und das Büro in Zug, Schweiz, offiziell eröffnet. Dort werden mehr als Dreiviertel der rund 70 Mitarbeiter tätig sein. Für unterstützende Aktivitäten wird in Moskau eine Niederlassung der Gesellschaft eingerichtet. Gemeinsame Arbeitsgruppen der Aktionäre unterstützen in technischen, kommerziellen, rechtlichen und ökologischen Fragen die Planung und Umsetzung des Projekts. Weitere Informationen: www.nord-stream.com * The neue Name der North European Gas Pipeline |
Nord Stream - 04.10.2006Kontakt
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