Ohne Erdgas geht es nichtDiskussionsforum zur Energieversorgung der Zukunft / Greenpeace und Stadtwerke setzen auf eine Kombination aus erneuerbaren Energien und Erdgas
Kassel. Mit der jetzt anstehenden Reform des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) werden nach der Vorlage des Energiekonzeptes der Bundesregierung nun die konkreten Weichen für die künftige Energieversorgung Deutschlands gestellt. Atom, Kohle, Erdgas, Erneuerbare - seit Monaten wird in Deutschland kontrovers diskutiert, welche Energien und welcher Energiemix wohl die beste Versorgung garantiert und im gleichen Zug die geringsten klimaschädlichen Kohlendioxid-Emissionen verursacht. "Unsere Vision ist es, dass Deutschland eine der energieeffizientesten und klimafreundlichsten Nationen der Welt wird. Dafür bietet unser Energiekonzept eine Basis", erklärte die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, Katherina Reiche, bei einem Energieforum in Kassel. Unter dem Thema "Auf dem Weg ins Grüne" debattierten die Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Prof. Dr. Claudia Kemfert, Andree Böhling von Greenpeace Deutschland, Michael Wübbels, stellvertretender Geschäftsführer des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU), und die Parlamentarische Staatssekretärin über den richtigen Energiemix in Deutschland. Während Katherina Reiche als Regierungsvertreterin in der Kasseler Stadthalle für das Energiekonzept warb, machten VKU-Geschäftsführer Michael Wübbels und Greenpeace-Experte Böhling ihr Unverständnis über das vorgelegte Programm deutlich. Vor allem die Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke wurde diskutiert: "Mit dem Energiekonzept sind erstmals konkrete Ziele für die künftige Energieversorgung Deutschlands festgeschrieben worden. Der Energieverbrauch soll bis 2050 um die Hälfte reduziert werden, 80 Prozent des Bedarfs von den erneuerbaren Energien geleistet werden", verteidigte Reiche das Programm der Bundesregierung. Die Transformation hin zu einer Versorgung auf Basis von Sonne und Wind müsse jedoch auch planbar für alle Beteiligten und vor allem auch wirtschaftlich verkraftbar erfolgen. "Die Kernkraft ist für uns eine Brücke in das Zeitalter der erneuerbaren Energien." Einem Ansatz, dem sowohl Wübbels und Böhling aber auch die DIW-Energieexpertin Kemfert nicht folgen wollten: "Mit der Verlängerung der Laufzeiten für Kernkraftwerke hätte man den Bau neuer Kohlekraftwerke verhindern und alte Kohlekraftwerke abschalten müssen - so hat man die Chance auf mehr Wettbewerb und sinkende Strompreise vergeben." Auch die kommunalen Unternehmen vermissten den Wettbewerbsgedanken im Energiekonzept der Bundesregierung, sagte der stellvertretende Geschäftsführer des VKU. "Durch die Fokussierung auf die Atomkraft wurde der Energieträger Erdgas viel zu wenig berücksichtigt. Die kommunalen Unternehmen hatten eine Vielzahl von neuen Kraftwerken auf Basis von Erdgas geplant. Diese Planungen mit einem Volumen von mehr als 8 Milliarden Euro sind erst einmal zurückgestellt worden", so Michael Wübbels. "Denn das Energiekonzept hat nicht wie versprochen für mehr Planungssicherheit gesorgt, weder für die großen Energiekonzerne, noch für die Kommunen." Greenpeace-Kampaigner Böhling sprach sich neben der Ablehnung der Atomkraft gleichzeitig für einen Ausstieg aus der Kohleverstromung bis zum Jahr 2040 und für den verstärkten Einsatz von Erdgas aus. "Gas ist der einzige Energieträger, der den Namen Brücken zu den Erneuerbaren Energien verdient. Atomkraftwerke sind nicht nur gefährlich und teuer. Sie sind auch nicht flexibel regelbar und torpedieren den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien", sagte der Energieexperte. Anders als Uran und Kohle vereine Erdgas eine Vielzahl von Vorteilen auf einen einzigen Energieträger. "Gaskraftwerke gleichen Stromschwankungen bei erneuerbaren Energien wie Wind und Sonne perfekt aus, da sie flexibel regelbar sind. Sie eignen sich hervorragend zur Kraft-Wärme-Kopplung, sind hoch effizient und verringern dadurch Brennstoffkosten."
Die nur halb so hohen Baukosten von Gaskraftwerken gegenüber Kohlekraftwerken führten dazu, dass sie auch bei geringer Auslastung wirtschaftlich arbeiten würden. Gleichzeitig stießen sie nur halb so viel klimaschädliches CO2 aus. Die Planungen der Stromkonzerne gingen in falsche Richtung. Statt Neubau von Kohlekraftwerken und Laufzeitverlängerung bei Atomkraftwerken brauche Deutschland mehr erneuerbare Energien und neue Gaskraftwerke. "Sonst droht ein Desaster beim Klimaschutz", bekräftigte der Energie-Experte von Greenpeace Deutschland. "Aus welchen Komponenten sich die Energieversorgung der Zukunft auch immer zusammensetzen wird - sie muss auf jeden Fall möglichst effizient, klimaschonend und umsetzbar sein", betonte Dr. Gerhard König, Sprecher der WINGAS-Geschäftsführung, zum Abschluss der Diskussionsveranstaltung. Das Energieforum in Kassel ist eine Veranstaltungsreihe des Energieversorgers. "Und wir sind davon überzeugt: Wer zeitnah und nachhaltig Kohlendioxid verringert sehen will, kommt an Erdgas nicht vorbei. Erdgas ist bezahlbar, liefert schon heute eine technisch machbare CO2-Reduzierung, ist verfügbar und in der Bevölkerung akzeptiert." Bei den vorgeschlagenen Maßnahmen im Energiekonzept sehe dies in vielen Fällen anders aus - sei es die technologisch nicht ausgereifte CO2-Reduzierung mit CCS, die Akzeptanzfrage bei der Endlagerung oder die Bezahlbarkeit der geplanten Häuserisolierung. König: "Wind und Sonne in Kombination mit Erdgas ergibt sauberen Strom." |
VideosMut zur Brücke
Das Energiekonzept der Bundesregierung soll den Weg ins Zeitalter der erneuerbaren Energien ebnen. Doch welche Brückentechnologie ist die beste? Viele werden umdenken müssen - Unternehmen, möglicherweise auch die Regierung. weiter Bezieht Stellung:
Gerhard König spricht sich für einen technologieoffenen Leistungswettbewerb in der deutschen Energieversorgung aus. weiter Erdgas vom Maisfeld
Umweltfreundlich und aus heimischer Produktion: Deutschlands Bauern produzieren immer mehr Bio-Erdgas, das ins Erdgasnetz eingespeist werden kann. Der Markt wächst so stark wie nirgendwo sonst in Europa. weiter |






