Starke Partnerschaft auf starkem FundamentWINGAS – Vorbild für deutsch-russische Zusammenarbeit
Diese bewährte Energiepartnerschaft wird auch in Zukunft fortgesetzt: mit einer Vereinbarung über die vorzeitige Verlängerung der bestehenden Hauptlieferverträge zwischen Gazprom export und WIEH bis 2043. Dabei handelt es sich um den größten Einzelliefervertrag in der Geschichte der deutsch-russischen Energiepartnerschaft. „Wir haben gemeinsam ein stabiles Fundament geschaffen, auf das es sich für beide Seiten zu bauen lohnt“, beschreibt Dr. Rainer Seele, Sprecher der WINGAS-Geschäftsführung, die erfolgreiche Kooperation. „Diese Verlängerung wird Symbolcharakter haben.“ Kaum ein anderer Produzent, so Seele, sei heute zu solch langfristigen Lieferzusagen bereit. „Deutschland und Europa brauchen die strategische Partnerschaft mit Russland“, sagte Seele. „Darum drängen wir auf einen intensiven Energiedialog zwischen Brüssel und Moskau.“ Erdöl und Erdgas bestimmen mehr als 50 Prozent des Exporthandels der Russischen Föderation und mehr als 60 Prozent seines exportierten Erdgases liefert Russland nach Europa. Im Wettlauf um die künftigen Energieressourcen braucht Europa Russlands Öl- und Gaslieferungen genauso wie Russland Europas Absatzmarkt. Rückblick: Energiepartnerschaft mit GeschichteBereits seit dem 19. Jahrhundert versorgte Russland den europäischen Markt mit Öl und deutsche Unternehmen lieferten Rohre und Bohrausrüstungen nach Russland. Nach dem zweiten Weltkrieg durfte Equipment für Exploration und Pipelinebau neben anderen Gütern vorerst nicht mehr in die damalige Sowjetunion exportiert werden, festgelegt in den so genannten CoCom-Listen der Westmächte (Coordinating Committee on Multilateral Export Controls). Im Jahr 1958 wurden Großrohre für den Pipelinebau aber auf Wunsch der Europäer aus den CoCom-Listen gestrichen und Deutschland entwickelte sich daraufhin schnell zum wichtigsten Rohrlieferanten der Sowjetunion, so dass die Bundesrepublik bald für rund 80 Prozent der Rohrlieferungen verantwortlich war. Trotz eines weiteren Embargos der Westmächte wurde die Erdölpipeline Drushba letztendlich mit nur einjähriger Verzögerung 1964 fertig gestellt. Das Embargo wurde 1966 auf Initiative von Deutschland und Frankreich aufgehoben. Das Jahr 1966 stand daneben im Zeichen eines weiteren bedeutenden Ereignisses: Mit dem Ausbau der sowjetischen Erdgasindustrie wurde die „Sibirische Ära“ eingeläutet. Der Liste der bedeutendsten Erdgasfelder der Welt wurde der Name Urengoi hinzugefügt. Am 5. November 1982 begann in der Region Tjumen die Förderung von Erdgas.Der erste Liefervertrag für russisches Erdgas mit einem westeuropäischen Unternehmen wurde 1968 mit der ÖMV – Österreichische Mineralölverwaltung Aktiengesellschaft (heute OMV) unterzeichnet. Im gleichen Jahr wurde ein Abkommen über Gaslieferungen nach Ostdeutschland, geschlossen. Am 1. Mai 1973 floss das erste russische Gas in Richtung Deutschland. Seitdem lieferte Russland kontinuierlich insgesamt über 700 Milliarden Kubikmeter Erdgas nach Deutschland. Seit 1990 arbeiten Gazprom und Wintershall partnerschaftlich zusammen. Dabei stellte der „Vertrag über die gaswirtschaftliche Zusammenarbeit“ kurz vor der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten die Basis für ein absolutes Novum in der Erdgaswirtschaft dar – für die Kooperation von Partnern aus der russischen und deutschen Energiewirtschaft. Neben WINGAS wurden mit WIEH (Wintershall Erdgas Handelshaus GmbH & Co. KG) und WIEE (Wintershall Erdgas Handelshaus Zug AG) Beteiligungsgesellschaften zum Handel mit Gas in Deutschland und Europa aufgebaut, über die die Partner seit mehr als 17 Jahren am Markt agieren. Seit Beginn der Lieferungen hat Russland zuverlässig alle vereinbarten Mengen ohne Unterbrechung geliefert. Die Regierungen der Bundesrepublik Deutschland und der ehemaligen UdSSR verlängerten bereits im November 1991 die Fortführung des 1986 geschlossenen Jamburg-Abkommens, mit dem sich die Sowjetunion zu langfristigen Erdgaslieferungen nach Deutschland verpflichtet hatte. Die Regierung der Russischen Föderation übernahm ab Januar 1992 die russischen Verpflichtungen aus diesem Abkommen. „Europa war, ist und bleibt auch in Zukunft unser wichtigster Kunde“, betont dazu Alexander Medwedew, Stellvertretender Vorsitzender des Vorstandes der Gazprom und Generaldirektor von Gazprom export. „Mit Investitionen in den weiteren Ausbau der europäischen Infrastruktur gemeinsam mit unseren Partnern werden wir langfristig zu einer sicheren Versorgung Europas mit Erdgas beitragen.“ Gemeinsames Ziel: Gas für Europa
Zum weiteren Transport der über die geplante Ostseepipeline Nord Stream ankommenden Gasmengen sind zwei Erdgasleitungen auf dem deutschen Festland vorgesehen: Die OPAL (Ostsee-Pipeline-Anbindungs-Leitung), die ab Inbetriebnahme der Nord Stream von der Ostseeküste in Richtung Süden Gas an die deutsch-tschechische Grenze transportieren wird, sowie die NEL (Norddeutsche Erdgas-Leitung), die ab 2012 in Richtung Westen führen soll. Durch diese Pipelines wird auch der Weitertransport der russischen Erdgasmengen in die angrenzenden europäischen Länder ermöglicht. Bis 2015 plant die WINGAS so mit Investitionen in Höhe von rund drei Milliarden Euro die europäische Erdgas-Infrastruktur weiter auszubauen. Daneben will das Unternehmen in den Bau neuer Erdgasspeicher in Europa investieren. Weitere Kapazitäten sollen in England (Saltfleetby) und nahe der deutsch-niederländischen Grenze in Jemgum entstehen. |
Die Drushba-Trasse – Ein JahrhundertbauSie brachten erstmals russisches Erdgas nach Deutschland: 30.000 Deutsche haben in den siebziger und achtziger Jahren an zwei Erdgastrassen gearbeitet, um die großen Erdgasreserven in Russland für die deutschen Verbraucher zu erschließen. Grundlage für diese gewaltigen Erdgasinfrastrukturprojekte war ein Abkommen über langfristige Erdgaslieferungen, das die Sowjetunion am 21. April 1974 mit anderen Ostblockstaaten schloss. weiter |




