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Zu schön für den Keller

Hocheffiziente Heiztechnologien gehören endlich ins Rampenlicht der Klimapolitik. Ohne sie kann die Energiewende kaum gelingen. Gut, dass es Vorreiter gibt.

Content Summary

1. Verbrauch Knapp ein 
Viertel des gesamten Endenergieverbrauchs 
in Deutschland wird für die 
Bereitstellung von Wärme – sowohl Raumwärme als auch Warmwasser – in Wohngebäuden aufgewendet.

2.  Ziele
Der Wärmebedarf des Gebäudebestands soll bis 2020 um 20 Prozent reduziert, sein Primärenergiebedarf bis 2050 um 80 Prozent gemindert werden. Neubauten sollen bereits ab 2020 klimaneutral sein.

3. Förderung Die Bundesregierung gewährt seit 
März höhere Zuschüsse für Vor-Ort-Beratungen: bis 
800 Euro bei Ein- und Zwei­familienhäusern und bis 1.100 Euro bei Häusern ab drei Wohnungen.

4. Spitzenplatz Drei von vier Bauherren setzen auf Erdgas. Damit ist der umweltfreundliche Energieträger unangefochten die Nummer eins im Heizungsmarkt. Komfort und Zuverlässigkeit gelten als Pluspunkte.

Gerade hat der Heizungsbauer Viessmann eine erdgasbasierte Brennstoffzellen-Heizung für Ein- und Zweifamilienhäuser auf den Markt gebracht, die in Serie gefertigt wird – eine Weltneuheit. Unternehmen wie Viessmann sind Vorreiter der Wärmewende. Und die sind bitter nötig, denn waährend die Energiewende im Strombereich ins Rollen gekommen ist, kommt sie bei der Wärme einfach nicht in Schwung. Dabei würde es sich lohnen: denn Heizung und Warmwasser machen mit insgesamt 40 Prozent den Löwenanteil beim Energieverbrauch in Deutschland aus, so der Bundesverband für Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Zudem ist der Wärmemarkt für rund 30 Prozent des gesamten deutschen CO2-Ausstoßes verantwortlich.

Innovation

Das Mikro-KWK-Gerät Vitovalor 300-P ist eine Brennstoffzellen- Heizung mit Erdgas‑Brennwertkessel. Es senkt die Energiekosten um bis zu 40 Prozent.

Und genau hier will die Bundesregierung sparen: Der Gebäudebestand soll bis 2020 ein Fünftel weniger Wärme verschlingen als 2008 und im Jahr 2050 sogar „nahezu klimaneutral“ sein. Drei Viertel der rund 20,7 Millionen Heizungsanlagen entsprechen derzeit allerdings nicht dem Stand der Technik, so der Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH). „Die Heizungen arbeiten extrem ineffizient und sind klimaschädlich“, so BDH-Hauptgeschäftsführer Andreas Lücke. „Würden sie energetisch modernisiert, ließen sich alleine dadurch rund 13 Prozent des Endenergieverbrauchs sparen.“

Damit die Energiewende nicht scheitert, muss auch im Wärmebereich Energie effizienter genutzt werden. Dafür müssten regenerative Energien und umweltfreundliches Erdgas stärker ausgebaut werden. Warum gelingt das bisher nicht ausreichend? „Ein Problem ist, dass der Wärmemarkt sehr viel kleinteiliger, dezentraler strukturiert ist als der Strommarkt“, sagt Martin Pehnt, Wissenschaftlicher Geschäftsführer des Instituts für Energie- und Umweltforschung 
Heidelberg (ifeu). „Die Wärmewende muss im einzelnen Heizungskeller und im einzelnen Gebäude stattfinden, es müssen also sehr viele potenzielle Akteure motiviert werden.“ Aufgrund der derzeit niedrigen Brennstoffkosten sähen viele Hausbesitzer aber keine Notwendigkeit, in eine neue, effizientere Heizung zu investieren. „Sie brauchen also andere Impulse.“ Die steuerliche Absetzbarkeit der energetischen Gebäudesanierung wäre solch ein Impuls gewesen. „Dass das Vorhaben bereits zum zweiten Mal gescheitert ist, sorgt bei vielen Hausbesitzern für Verunsicherung – sie warten nun lieber erst mal ab“, weiß BDH-Hauptgeschäftsführer 
Lücke. Der Wärmebereich sei zudem von der Politik aufgrund der Komplexität der Energiewende im Stromsektor viel zu lange vernachlässigt worden. „Auch die Interdependenz zwischen Strom- und Wärmewende, etwa was die Nutzung des Gasnetzes als Stromspeicher angeht, wird auf politischer Ebene noch nicht ausreichend erkannt.“

Die bestehenden staatlichen Förderprogramme von KfW Bankengruppe und Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) hätten sich zwar bewährt, müssten aber inhaltlich weiter ausgebaut werden, ist ifeu-Geschäftsführer Pehnt überzeugt. So sollten etwa verstärkt niederschwellige Einzelmaßnahmen finanziell unterstützt werden. Denn: „Viele Hausbesitzer können eine Komplettsanierung inklusive Dämmung nicht bezahlen.“

Mit Einzelmaßnahmen geht es aber auch voran: Die einfachste und preisgünstigste Art, Energiekosten und CO2-Emissionen zu senken, ist der Tausch der alten Heizung gegen moderne und effiziente Heiztechnologien. Die günstigste Heizoption im Neubau ist derzeit eine Erdgas-Brennwertanlage mit Solar, wie eine aktuelle Studie der Brancheninitiative 
Zukunft ERDGAS zeigt.

Das novellierte Marktanreizprogramm (MAP) des BAFA zur Nutzung erneuerbarer Energien im Wärmemarkt sieht Pehnt als Schritt in die richtige Richtung. Zum April wurden nicht nur die Investitionszuschüsse für Solarthermieanlagen, Wärmepumpen und Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) erhöht, für den Einbau einer Solarthermieanlage zur Heizungsunterstützung erhalten private Hausbesitzer jetzt mindestens 2.000 Euro. „Sinnvoll ist, dass das Anreizprogramm nun auch die Heizungsoptimierung fördert und gezielt Impulse in Richtung energieeffizienterer Technologien wie Wärmepumpen oder Solarthermie in Kombination mit Gas-Brennwerttechnik setzt“, so Pehnt.

Zusätzlich sind im neuen Marktanreizprogramm alle und nicht mehr nur kleine und mittlere Unternehmen antragsberechtigt. Unternehmen und Kommunen können für kleinere Erneuerbare-Energien-Anlagen für den eigenen Wärme- oder Kältebedarf Investitionszuschüsse beantragen, für die Investition in größere Anlagen oder den Bau neuer Nahwärmenetze über den von der KfW betreuten Teil des Programms zinsgünstige Darlehen und Tilgungszuschüsse. Mehr als 300 Millionen Euro pro Jahr stellt die Bundesregierung für das neue Programm zur Verfügung, 2014 lag das bewilligte Fördervolumen bei 123 Millionen Euro. Die Antragszahlen sind bereits drei Monate nach Inkrafttreten des neuen MAP nach oben geschnellt.

1. Anbieter modernster Heizungssysteme und Selbstversorger

Nur wenige Hundert Meter von der hochmodernen Hauptverwaltung des Heiz-, Industrie- und Kühlsystemherstellers Viessmann steht ein riesiger Komposthaufen. Unverkennbar riecht es nach frischer Landluft. Ein Radlader schaufelt hier gerade ein Gemisch aus Pferde- und Schweinemist, Grünschnitt, Mais und Rüben zur Biogasanlage beziehungsweise zu vier voneinander getrennten, dicht abgeschlossenen Fermentern. Sie sehen aus wie Garagen. „Da bleibt das Substrat vier Wochen lang liegen und erzeugt währenddessen Biogas“, erklärt Hans-Moritz von Harling, Projektleiter Biomasse bei Viessmann im hessischen Allendorf, südwestlich von Kassel.

INNOVATIV
Hans-Moritz von Harling, Projektleiter Biomasse bei Viessmann, nutzt für die Anlage ausschließlich in der näheren Umgebung anfallende Biomasse wie Bioabfall, Grüngut oder Festmist.

Foto: Katrin Binner

Die Biogasanlage, auf deren Dach eine Photovoltaikanlage thront, liefert jährlich rund 2,7 Megawattstunden (MWh) Wärme und Strom für den Standort – ein wichtiger Baustein im Energiekonzept „Effizienz Plus“ des weltweit agierenden Familienunternehmens. Mitte der 2000er-Jahre hat Viessmann damit begonnen, seine Energieversorgung, die Gebäude, Produktions- und Arbeitsprozesse auf Nachhaltigkeit zu trimmen. „Wir wollten zeigen, dass wir die energie- und klimapolitischen Ziele der Bundesregierung für 2020 schon viele Jahre früher umsetzen können“, sagt Bram Peters, Leiter Produktmanagement der Viessmann Werke. Inzwischen hat das Unternehmen bereits die energiepolitischen 
Ziele für 2050 erreicht und am Stammsitz Allendorf in den letzten zehn Jahren schrittweise die CO2-Emissionen um 80 Prozent reduziert und die Energieeffizienz um mehr als 20 Prozent gesteigert. Der Anteil erneuerbarer Energien an der Wärmeversorgung liegt heute bei mehr als 60 Prozent – und er soll noch weiter steigen.

Dabei setzt Viessmann vor allem auf Biomasse aus der Umgebung und nutzt stets nur die Menge, die im selben Zeitraum nachwächst. Eine Holzhackschnitzelanlage deckt vor allem den erhöhten Wärmebedarf des Standortes in der kalten Jahreszeit. Die Hackschnitzel stammen zum großen Teil von Pappeln, die Viessmann auf Kurzumtriebsplantagen auf einer Fläche von 170 Hektar selbst anbaut und alle drei Jahre erntet. „Sie beginnen gleich hier neben der Produktionshalle“, sagt der Forstwirt von Harling und deutet Richtung Osten. Er hat die Plantagen mit angelegt und betreut sie nach wie vor.

Aus allem wird Energie gewonnen

Außerdem setzt das Unternehmen auf die energieeffiziente Verwendung von Gas mittels Kraft-Wärme-Kopplung und Brennwerttechnik, auf Solarthermie und Photovoltaik sowie auf Luft- und Erd-Wärmepumpen. „Auch die Wärme, die zum Beispiel durch das Blockheizkraftwerk an der Biogasanlage entsteht, nutzen wir für unsere Wärmeversorgung“, betont Gerd Specht, in der unternehmenseigenen Akademie für Gasgeräte und regenerative Energien zuständig.

Auf gut 20 Hektar erstreckt sich das Viessmann-Areal in Allendorf. 4.300 Menschen arbeiten hier, fast so viele, wie der Ort Einwohner hat. Neben der Verwaltung befinden sich hier noch ein Infocenter mit Akademie, große Produktionshallen, das zentrale Warenverteilzentrum und ab 2017 ein Forschungs- und Entwicklungszentrum. Dieses Technikum baut das Unternehmen gerade für 50 Millionen Euro. Und dann sind da natürlich noch die ganzen Anlagen der Energiezentrale. „Deren installierte Kesselleistung summiert sich auf zwölf Megawatt“, sagt Specht. „Das reicht, um unseren gesamten Standort mit Wärme und zu einem nicht unerheblichen Teil mit Strom zu versorgen.“

Für den künftigen Erfolg des Unternehmens setzt Viessmann vor allem auf zwei innovative Entwicklungen namens Vitovalor und Vitosorp. „Vitovalor ist ein Brennstoffzellen‑Modul, kombiniert mit einem Gas-Brennwertkessel“, erklärt Produktmanager Peters. In Brennstoffzellen verbinden sich Wasserstoff und Sauerstoff zu Wasser, dabei entstehen Wärme und Strom. Anders als Verbrennungsmotoren oder Turbinen verbrennen die Zellen das Gas hier nicht, die Energie entsteht vielmehr allein auf Basis einer elektrochemischen Reaktion. Das macht die Anlagen nicht nur extrem energieeffizient und leise, sie emittieren auch kaum Treibhausgase. Nur wenn es im Winter besonders kalt ist, schaltet sich beim Vitovalor der Brennwertkessel dazu. „Im Vergleich zur ohnehin schon effizienten Brennwerttechnik spart das nochmals bis zu 40 Prozent Energie und die Hälfte an CO2“, so Peters.

Hinter Vitosorp steckt ein Gas-Adsorptions-Heizgerät, das Brennwerttechnik mit Solarthermie oder Erdwärme kombiniert. Die Umweltwärme wird über eine Wärmepumpe gewonnen. Durch die Einbindung von Sonnen- oder Erdwärme sinkt einerseits der Energieverbrauch um bis zu 25 Prozent und erhöht sich andererseits der Wirkungsgrad gegenüber herkömmlichen Brennwertgeräten auf 132 (Erdwärme) beziehungsweise 149 Prozent (Solar).

Power‑to‑Gas als Speicherlösung

In diesem März hat Viessmann an einer zweiten Biogasanlage – sie erzeugt jährlich etwa 1,6 Millionen Kubikmeter Biogas, das zu Erdgas aufbereitet und ins öffentliche Netz eingespeist wird – eine Power‑to‑Gas-Anlage in Betrieb genommen. „Mit der Anlage zeigen wir, wie überschüssiger Strom aus regenerativen Energien wie Wind und Sonne mittels Elektrolyse zu Wasserstoff und dann mit dem CO2 aus der Biogasanlage zu Methan umgewandelt und im Erdgasnetz gespeichert werden kann“, erklärt Projektleiter von Harling. Im Vergleich zu anderen Speicherlösungen wie Großbatterien oder Pumpspeichern könne das Gasnetz mit seinen Rohrleitungen und unterirdischen Kavernen das synthetische Methangas über mehrere Monate speichern. Es könne dann unabhängig vom Ort der Erzeugung für die Wärmeversorgung, die Stromproduktion oder in Erdgasautos genutzt werden. Die ganze Anlage hat gerade mal die Größe von drei Schiffscontainern – „das Prinzip aber hat das Potenzial, einen wesentlichen Beitrag zum Gelingen der Energiewende zu leisten“, ergänzt von Harling.    

2. Eine Brennstoffzelle für die Backstube

Seit März 2014 steht im Keller der Großbäckerei Theurer in Ludwigshafen am Rhein zusätzlich zur Gasheizung eine besonders energieeffiziente gasbetriebene Brennstoffzellen‑Anlage zur Strom- und Wärmeerzeugung. Nicht viel größer als eine Waschmaschine, fällt das kleine Kraftwerk zwischen Gaskessel und Warmwasserboiler kaum auf. Zu hören ist nur das feine Rauschen der Lüftung. Die Mini-KWK-Anlage der Marke BlueGen des Unternehmens Ceramic Fuel Cells mit einer thermischen Leistung von 0,6 Kilowatt (kW) und einer elektrischen Leistung von 1,5 kW versorgt die Bäckerei monatlich mit bis zu 300 Kilowattstunden (kWh) Wärme und rund 1.000 kWh Strom. „Das spart uns im Jahr etwa 2.000 Euro Energiekosten“, sagt Bäckerei-Chef Wolfgang Theurer. Angesichts ihres enormen Energiebedarfs sei das allerdings nur ein Anfang. Ein Blick in die rund 1.000 Quadratmeter große Halle der Bäckerei macht das schnell deutlich. Hier reihen sich Arbeitstische, Mahl- und Knetmaschinen, Regale für Brot und Brötchen, Kuchen und Gebäckstücke aneinander. Im hinteren Teil der riesigen Halle stehen acht große Backöfen, das Herzstück der Bäckerei. „Unsere Bäcker fangen jeden Tag zwischen 22 und 23 Uhr an, freitags schon um 20 Uhr“, erzählt Reinhard Bühler, Elektriker des Betriebs. Die ganze Nacht wird geknetet, geformt und gebacken, bis morgens um 10 Uhr. Dann gehen die fertigen Waren in die 21 Filialen in Ludwigshafen, Mannheim und Umgebung.

WEITBLICK
Bäckerei-Chef Wolfgang Theurer setzt in seinem Unternehmen auf moderne Energietechnik.
Foto: Johannes Vogt

Der Familienbetrieb mit 150 Mitarbeitern in Backstube, Filialen und Büro hatte sich für ein 
Pilotprojekt von den Technischen Werken Ludwigshafen (TWL) und WINGAS beworben, das den Einsatz von Brennstoffzellen testet. Über das Programm „Brennstoffzellen-PartnerBonus“ hat WINGAS die Kosten für dieses und sieben weitere Brennstoffzellen‑Geräte inklusive zweijährigem Vollwartungsvertrag übernommen. Die unterschiedlichen Modelle wurden von Partner-Stadtwerken wie den TWL bei ausgewählten Kunden eingebaut. „Wir haben die Anlage in der Bäckerei installiert und kümmern uns auch um den Betrieb“, erklärt Achim Gropp, Teamleiter Heizgeräte Kundendienst bei den TWL. Ziel des Pilotprojekts: Praxiserfahrung mit der äußerst effizienten Brennstoffzellen‑Technik sammeln – ihr Gesamtwirkungsgrad liegt bei bis zu 80 Prozent – und ihr den Weg in den Markt ebnen.

BERATUNG
Achim Gropp, Teamleiter Heizgeräte Kundendienst bei den TWL (links), erläutert Wolfgang Theurer die Funktionsweise der Mini-KWKAnlage.
Foto: Johannes Vogt

„Noch sind die Geräte viel zu teuer“, weiß Gropp. Im Fall der Bäckerei beliefen sich die Kosten ohne Fördergelder auf rund 26.000 Euro netto. „Das ist für kleinere Betriebe oder Mehrfamilienhausbesitzer, für die sich die Geräte besonders eignen, ohne Förderung unerschwinglich“, so Gropp. In der Technik sieht er jedoch enormes Potenzial, auch hinsichtlich der CO2-Einsparung: „Die Anlage bei Theurer hat zwischen März 2014 und August 2015 gegenüber der getrennten Erzeugung von Wärme und Strom bei einer neuen Gas‑Brennwertheizung bereits über 2,7 Tonnen CO2 eingespart.“ Auch Wolfgang Theurer hat das kleine Kraftwerk überzeugt. „Die Anlage läuft störungsfrei.“ Nach Ende des Pilotprojekts im März 2016 will er sie behalten und den Wartungsvertrag übernehmen.    

3. Neue Technik in alten Mauern

Der „Goldene Löwe“ fällt sofort auf, wenn man im Spreewaldstädtchen Lübben die Hauptstraße am Marktplatz entlanggeht. 
Die 1719 eröffnete Gaststätte ist nicht nur die älteste in Lübben, sondern auch das einzige Haus mit einer alten Backsteinfassade. „Die  Fassade steht unter Denkmalschutz“, sagt Marc Schubert, Geschäftsführer von Restaurant und Pension. 80 Prozent der Stadt wurden noch in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs zerstört. Die Fassade aus sandfarbenen und roten Steinen hat es überlebt, dahinter ist alles neu. Während das Interieur ersetzt worden war, hielten die Schuberts zunächst an der alten Gas-Turbotherme fest – die schon einige Jahre auf dem Buckel hatte, bis sie schließlich ihren Geist aufgab. „Als eines Morgens mehrere Pensionsgäste erbost vor mir standen, weil es kein warmes Wasser zum Duschen gab, war klar, dass wir eine neue Heizung brauchen“, erinnert sich der Vater, Edgar Schubert, der den 
Betrieb an seinen Sohn Marc übergeben hat, aber weiterhin in der Küche steht.

EFFIZIENT
Wenn die Temperatur in der Küche von Gastronom Marc Schubert steigt, schaltet sich die intelligente Heizungsanlage automatisch ab.

Foto: Marc Beckmann/Ostkreuz

Seit Oktober 2014 sorgt nun eine Gas-Brennwertheizung im Goldenen Löwen für Wärme und – ganz zuverlässig – für Warmwasser. Seinen Platz hat das Brennwertgerät direkt am Ort des Geschehens: in der Küche. So, wie sie da an der Wand hängt zwischen Arbeitsplatten und Spülbecken, sieht sie auf den ersten Blick eher aus wie eine normale Gastherme. Zu hören ist von ihr: nichts. „Dass sie in der Küche installiert ist, hat sich schon bewährt“, sagt Marc Schubert. Denn hier wird besonders viel warmes Wasser benötigt, das jetzt nicht mehr vom Keller hochgepumpt werden muss. „Und wenn es in der Küche kocht und brodelt, schaltet sich die Anlage automatisch ab und spart dadurch Energie.“

Als langjährige Kunden der Stadt- und Überlandwerke Lübben (SÜW) wurden Schuberts im vorigen Jahr auf das Förderprogramm aufmerksam, das die SÜW gemeinsam mit ihrem Gasversorger WINGAS anbieten. Im Rahmen des „Klima-PartnerBonus-Programms“ unterstützen beide Unternehmen Gebäudeeigentümer finanziell beim Umstieg auf effiziente Gasheizungen: Brennwertkessel, Brennstoffzellen‑Anlagen, Mikro-KWK, Gaswärmepumpen. Auf diese Weise wollen die Unternehmen regional attraktive Impulse setzen, um die Klimaziele umzusetzen. „Stadtwerke sind wichtige Multiplikatoren, um Endverbrauchern effiziente Gastechnologien näherzubringen“, betont Detlef Mirsch, Leiter Technische Dienstleistungen bei WINGAS.

„Welches Modell und welchen Hersteller die Kunden bevorzugen, entscheiden sie selbst“, erklärt Volkmar Schaaf, bei den SÜW zuständig für Energiebeschaffung und Vertrieb. „Voraussetzung ist nur, dass die Anlage des Kunden eine thermische Leistung von maximal 25 Kilowatt und eine elektrische Leistung von höchstens 1,5 Kilowatt hat“, ergänzt er. Mit ihrer Wahl sind die Schuberts in guter Gesellschaft. „Zu 90 Prozent wollen die Leute Brennwertanlagen“, so Schaaf. Das Interesse an anderen Technologien sei zwar ebenfalls da. „Aber die Anschaffungs- und Installationskosten sind vielen zu hoch.“

Die Anlage in der Küche des Goldenen Löwen – eine Vitodens 200 mit 21 kW thermischer Leis
tung – hat 3.500 Euro gekostet. Mit Installation sowie Um- und Einbauten, etwa von neuen Heizkörpern und Leitungen, waren es dann rund 7.000 Euro. Die Förderung durch den Energieversorger läuft zunächst zwei Jahre. „Wenn wir unsere Kooperation mit WINGAS verlängern, sollen davon die Umsteiger bis zu fünf Jahre lang profitieren“, sagt Schaaf.

EU-Effizienzlabel Verbraucherzentrale kritisiert Energieklassen für Heizungen

Neue Heizungen bis 70 Kilowatt Wärmeleistung müssen ab sofort das EU-Effizienzlabel mit der von Elektrogeräten bekannten Skala vom roten G bis zum grünen A++ tragen. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen kritisiert das Effizienzlabel in einem Positionspapier scharf, sie befürchtet „programmierte Verwirrung“ statt echten Effizienzwettbewerb. Kritikpunkt ist, dass das Heizungslabel nicht über die Betriebskosten informiert, wie es das Effizienzlabel für Elektrogeräte macht. Doch hänge die Effizienz bei Heizungen nicht, wie bei einem Kühlschrank, allein vom Gerät selbst ab und bessere Effizienz bedeute auch nicht unbedingt geringere Betriebskosten. Tatsächlich könne eine Luft/Wasser-Wärmepumpe mit A++ höhere Heizkosten verursachen als ein Gas-Brennwertkessel mit A-Label.

Foto: Katrin Binner

Knackpunkt ist, dass beim neuen Label verschiedene Gerätetypen pauschal in verschiedene Effizienzklassen eingeordnet werden: zum Beispiel sämtliche Öl- und Gas-Brennwertkessel in Klasse A, Wärmepumpen aufgrund ihrer anteiligen Wärmegewinnung aus erneuerbaren Energien in die Klassen A+ oder A++. Es fehle eine Binnendifferenzierung zwischen unterschiedlich effizienten Geräten innerhalb der einzelnen Technologien, so die Kritik. Auch die Brancheninitiative Zukunft ERDGAS hält das Label für wenig hilfreich. Eine forsa-Umfrage bestätige, dass Verbraucher das Effizienzlabel unterschiedlich interpretierten. Während 45 Prozent der Befragten unter einer „guten Effizienzklasse“ die besonders effiziente Umwandlung des Energieträgers in Wärme verstehen, sehen 30 Prozent darin einen Hinweis auf besonders ökologisches Heizen, 19 Prozent wiederum auf eine besonders kostengünstige Heizung. Mit Blick auf Kosten und Klima könne das bessere Label allerdings die schlechtere Wahl sein.

Weiterer Kritikpunkt der Verbraucherzentrale ist, dass Wärmepumpen unter anderen Bedingungen und mit anderen Toleranzwerten geprüft werden als Brennwertkessel, die Ergebnisse jedoch in dasselbe Effizienzklassen-Schema eingeordnet werden. Wie viel Energie eine Heizung verbrauche, hänge zudem stark von der jeweiligen Einbausituation ab. Die könne ein Label nicht abbilden, es sollte aber beim Kauf eine Rolle spielen. Verbraucher seien also auf weitere Informationsangebote angewiesen. Das gelte auch bei dem vom Bundeskabinett beschlossenen Effizienzlabel für Heizungen, die älter als 15 Jahre sind. Es soll ab 2016 zunächst freiwillig, ab 2017 dann verpflichtend gelten. Lediglich einen Heizkessel zu bewerten, hält der Verband für Wärmelieferung (VfW) für unzureichend. Vielmehr müsse die gesamte Anlage, also Erzeugung, Verteilung und Verbrauchsstellen, beurteilt werden. Der Bund hofft dennoch, dass mithilfe des neuen Labels jedes Jahr mehr alte Heizungen ausgetauscht werden als bisher.

Text: Kristina Simons

Die Wärmewende steht noch am Anfang

75 Prozent der in deutschen Gebäuden installierten Wärmeerzeuger sind veraltet.

13 Prozent der deutschen Endenergie könnten eingespart werden, wenn veraltete Anlagen erneuert würden.

20,7 Millionen Heizungsanlagen fiefern in deutschen Wohnund Nichtwohngebäuden Wärme und Warmwasser.

Heizt Du noch oder sparst Du schon?
Grafik: C3 Visual Lab
Quelle: https://www.bdew.de/internet.nsf/id/heizungsmarktstudie--wie-heizt-deutschland-de, die Zahlen beziehen sich auf das Jahr 201

Moderne Heiztechnik mit Erdgas spart Energie. Das hilft dem Klima und dem Geldbeutel. Die Infografik zeigt fünf aktuelle Trends auf dem deutschen Heizungsmarkt.

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