Presseservice der wingas.

Immer aktuell informiert

04.03.2016

Antragsstellung für Brennstoffzellen-Betrieb: Unterstützung durch Stadtwerke zahlt sich aus

Kassel. Brennstoffzellen arbeiten zuverlässig, überzeugen mit hoher Energieausbeute und senken so Verbrauchskosten und CO2-Emissionen. Kathrin Neumeyer, Steuerberaterin und Partner beim Beratungsunternehmen MPW Legal & Tax, erläutert, was Endkunden beim Betrieb einer Brennstoffzelle zu beachten habenweshalb der Betrieb einer Brennstoffzelle für Endkunden aufwendig ist, wie Stadtwerke ihre Kunden unterstützen können und welche Vorteile sich daraus ergeben.

Frau Neumeyer, Endkunden, die ein Brennstoffzellengerät selbst betreiben wollen, müssen einige bürokratische Hürden überwinden. Worauf ist zu achten?
Bevor eine Brennstoffzelle betrieben werden darf, müssen Endkunden verschiedene Genehmigungen beantragen und Behördengänge erledigen. Das ist mit einigem bürokratischem Aufwand verbunden. Hintergrund ist, dass eine Brennstoffzelle ja auch Strom erzeugt, den der Endkunde entweder selbst nutzen oder ins Stromnetz einspeisen kann. Hierfür erhält er vom Netzbetreiber eine Vergütung. Da der Netzbetreiber zur Abnahme des Stroms verpflichtet ist, muss er regelmäßig über die erzeugte Strommenge informiert werden. Endverbraucher können das über einen digitalen Zähler abwickeln, an dem sich der eingespeiste und der eigenverbrauchte Strom auslesen lassen.

Gibt es weitere Melde- und Informationspflichten für den Endkunden?
Wer zudem eine Förderung für das Brennstoffzellengerät haben möchte, muss das Gerät einmalig beim Bundesamt für Ausfuhrkontrolle (BAFA) anmelden. Die aktuelle Förderhöhe wird durch das Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz (KWKG) geregelt. Damit der KWK-Zuschlag gewährt werden kann, muss hier jährlich eine Mengenmeldung ans BAFA erfolgen. Außerdem spielt das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) eine Rolle. Mit dem EEG 2014 wurde das Eigenerzeugungsprivileg deutlich eingeschränkt und darüber hinaus die EEG-Umlagebelastung gestaffelt. Privatanwender sind aber meist nicht betroffen. Denn für kleine Anlagen mit einer elektrischen Anschlussleistung bis 10 Kilowatt entfällt die EEG-Umlage, sofern sie nicht mehr als 10 MWh pro Jahr erzeugen und selbst verbrauchen.

Was müssen Endkunden aus steuerlicher Sicht berücksichtigen?
Steuerrechtlich wird es deutlich komplizierter. Beim Betrieb einer Brennstoffzelle muss der Endkunde gleich vier verschiedene Steuern im Auge behalten: Energiesteuer, Stromsteuer, Umsatzsteuer und Einkommenssteuer. Die Stromsteuer kann beim Betrieb einer Brennstoffzelle vernachlässigt werden, da eingespeister und eigengenutzter Strom steuerfrei ist. Sie fällt nur für die Entnahme aus dem Stromnetz an. Die Energiesteuer ist Bestandteil der Erdgasrechnung. Pro MWh fallen 5,50 Euro an. Da das Erdgas aber weder verheizt noch für einen motorischen Antrieb genutzt wird, kann diese Summe zurückerstattet werden. Hierfür muss der Endkunde einen Antrag beim Hauptzollamt stellen und die Rechnung einreichen.

Wie sieht es bei der Umsatzsteuer aus?
Wer regelmäßig Strom in das Stromnetz einspeist (wobei bereits eine einmalige Einspeisung ausreicht), gilt als umsatzsteuerlicher Unternehmer. Das bedeutet, dass alle Einnahmen der Umsatzsteuer in Höhe von 19 Prozent unterliegen und an das Finanzamt abgeführt werden. Gleichzeitig sind aber auch die Vorsteuern aus der Geräteanschaffung sowie die laufenden Kosten der Anlage abzugsfähig. Dazu zählt etwa der Brennstoff. Aufwendig wird diese Variante dadurch, dass das Finanzamt in den ersten beiden Jahren eine monatliche Voranmeldung der Umsatzsteuerbeträge aus den Vergütungen und den Vorsteuerbeträgen aus den laufenden Kosten verlangt. Das ist anfangs zwar etwas kompliziert, wird dann aber zur Routine. Deutlich einfacher wird es, wenn mit dem Betrieb der Brennstoffzelle weniger als 17.500 Euro Umsatz erzielt wird und auf die sogenannte Kleinunternehmerregelung zurückgegriffen werden kann. Hierbei wird keine Umsatzsteuer auf die Einnahmen ausgewiesen und muss damit auch nicht abgeführt werden. Dadurch entfallen die Abgabe der Umsatzsteuer-Voranmeldungen und auch die Abzugsfähigkeit der Vorsteuerbeträge. Der Verwaltungsaufwand kann also deutlich reduziert werden.

Welche Rolle spielt der Betrieb einer Brennstoffzelle bei der Einkommenssteuer?
Bei der Ermittlung der Einkommensteuer muss der Betrieb der Brennstoffzelle ebenfalls berücksichtigt werden. Hier fließen alle Kosten und Einnahmen über eine sogenannte Einnahme-Überschuss-Rechnung in die Einkommenssteuererklärung ein, die ohnehin fast jeder einmal pro Jahr beim Finanzamt einreichen muss. Die Gewinne aus einer KWK-Anlage gelten dabei als gewerbliche Einkünfte, wobei hierfür bis zu einer Höhe von 24.500 Euro keine zusätzliche Gewerbesteuer anfällt.

Mit welchen Dienstleistungen können Stadtwerke den Kunden bei Anträgen und Steuerfragen unterstützen?
An erster Stelle steht sicherlich Information. Hier bietet sich beispielsweise ein Kundenleitfaden an, der generelle Fragen wie „Wo muss ich eine Brennstoffzelle anmelden“ oder „Wann muss ich welche Angaben an wen senden“ beantwortet und das Ausfüllen der Formulare erklärt. Außerdem kann ein Stadtwerk seinen Kunden anbieten, sie bei den Anträgen und beim Melden der Messstände zu unterstützen. Hier sehe ich großes Potenzial, denn gerade Stadtwerke können mit ihrem Know-how die Daten schnell und unkompliziert auslesen. Der Aufwand für Stadtwerke ist gering, der Nutzen für den Kunden aber groß. Diese Dienstleistung können Stadtwerke im Zusammenhang mit anderen Leistungen, etwa die Versorgung mit Erdgas, anbieten. Der Umfang von steuerlichen und rechtlichen Hilfeleistungen ist aber begrenzt. Eine direkte Vertretung des Kunden gegenüber Ämtern und Behörden ist strikt ausgeschlossen. Die von den Stadtwerken erbrachten Hilfeleistungen sollten daher immer im direkten Zusammenhang mit den sonstigen erbrachten Leistungen stehen.

Kann es für Stadtwerke von Vorteil sein, seinen Kunden ein Brennstoffzellen-Contracting-Modell anzubieten?
Absolut, denn damit bieten Stadtwerke ihren Kunden ein „Rundum-Sorglos“-Paket an. Stadtwerke übernehmen dabei je nach Contracting-Modell die Investition sowie alle Wartungsarbeiten und vor allem die gesamte steuerliche und bürokratische Abwicklung. Das beherrschen Stadtwerke in der Regel aus dem Effeff, denn das Brennstoffzellen-Contracting unterscheidet sich nicht vom Contracting mit anderen KWK-Anlagen. Für den Kunden, der ausschließlich vom Nutzen profitiert, ist das eine ziemliche komfortable Lösung. Für Stadtwerke ergeben sich so auch neue Geschäftsmodelle. Wichtig ist, dass Stadtwerke selbst aktiv werden und Kunden für diese innovative und auch wirtschaftlich zunehmend attraktive Technologie, mit der darüber hinaus ein deutlicher Beitrag für den Klimaschutz geleistet werden kann, begeistern. Hier zählt der Servicegedanke. Deshalb sollte auch die Kostengestaltung für das Contracting transparent und attraktiv sein. Wer guten Service und faire Preise bietet, kann seine Kunden überzeugen und langfristig binden.

Ihr Kontakt

Königstor 20
34117 Kassel
Tel.: +49 (0) 561 99858-0 
E-Mail: presse[at]wingas.de

Ihr Kontakt

Königstor 20
34117 Kassel
Tel.: +49 (0) 561 99858-0 
E-Mail: presse[at]wingas.de