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20.12.2016

„Daten sind das neue Öl“

Kassel. Wie sehen die wichtigsten Entwicklungen der Digitalisierung aus und auf welche Neuerungen müssen sich Unternehmen einstellen? Darüber spricht Kai Jannek, Zukunftsforscher und Projektleiter beim Beratungsunternehmen Z_punkt, im Interview.

Herr Jannek, eine der zentralen Neuerungen ist die fortschreitende Digitalisierung. Was sind die wichtigsten Entwicklungen?
Ein großes Thema ist das Internet der Dinge, also die Vernetzung von Gegenständen. Vom Kühlschrank, der meinen Einkauf bestellt, über den Briefkasten, der nach dem Posteinwurf ein Signal gibt, bis zum Teppich, der den Sturz der Seniorin meldet, könnte prinzipiell alles mit dem Internet verbunden sein. Um uns herum wird sich ein digitales Nervensystem ausbilden.

Stichwort Smart Home. Wie werden künftig Häuser aussehen?
Im Jahr 2025 werden wir vermutlich alles als Altbau bezeichnen, was vor 2020 gebaut wurde. Künftig werden Gebäude danach bewertet werden, wie gut sie sich in Sachen Klima, Licht oder Entertainment per App steuern lassen. Dadurch verändert sich auch die Wertschöpfungslogik: Beton wird dann einen geringeren Anteil an der Wertschöpfung haben als andere Gebäudeteile – so wie ja bei einem Smartphone das Gehäuse weniger zählt als das Betriebssystem und Apps.

Auf welche Neuerungen müssen sich Unternehmen einstellen?
In der Fertigung wird es „sprechende“ Werkstücke geben, die Arbeitsanweisungen auf das Endgerät des Mitarbeiters senden. Die Fabrik der Zukunft ist eine Smart Factory ohne Fließband, in der die Produktion und Logistik hochgradig flexibel und optimiert sind. Industrieroboter werden in großem Stil eingesetzt – sie sind schon jetzt so günstig, dass sie auf die Stunde gerechnet billiger sind als menschliche Arbeiter – selbst in Niedrigkostenländern. Wo künftig noch Menschen tätig sind, dürften sie kraftverstärkende Anzüge, sogenannte Exoskelette tragen, so dass sie größere Lasten bewegen können. Auch der 3D-Druck wird die Industrie verändern, denn statt eines großen Werks wird es viele dezentrale Mikrofabriken für die lokalen Märkte geben.

Welche Möglichkeiten bringt die digitale Transformation für die Energiewirtschaft?
Viele Anwendungen sind denkbar. So könnten Energieinfrastrukturen schon vor dem ersten Spatenstich besichtigt werden, indem sie dem Betrachter virtuell in die reale Umgebung hineingespielt werden. Pipelines könnten vor Ort am Stück per 3D-Druck gebaut werden. Und nach ihrer Fertigstellung könnten Drohnen die Überwachung und Kontrolle der Leitungen übernehmen.

Wie sieht es bei der Energieversorgung aus?
Big Data wird ein großes Thema sein. Google hat für eine gigantische Summe den Thermostathersteller Nest übernommen, unter Umständen auch um an die Heiz- und Stromprofile der Nutzer zu kommen. Google weiß demnächst, wann Sie ihren Toaster benutzen, weil Sie immer zur selben Zeit 1000 Watt verbrauchen. Und wenn Sie das plötzlich nicht mehr tun, weiß Google, dass Ihr Toaster kaputt ist, und dann liefert Ihnen Google oder Amazon einen neuen. Oder Bosch Siemens Hausgeräte zahlt Ihre Stromrechnung, nur um mitzubekommen, wenn Sie ein neues Gerät brauchen. In vielen Branchen wird es so sein: Wer wartet, bis der Kunde zu ihm kommt, hat bald keine Kunden mehr. Deshalb werden Öl, Gas oder Strom zum Teil verschenkt oder zumindest subventioniert werden, denn Daten sind das neue Öl.

Wie können sich Unternehmen auf die digitale Zukunft vorbereiten?
Sie sollten sich und ihr Geschäftsmodell in Frage stellen, bevor es andere tun. Innovation fällt nicht vom Himmel. Man muss sich klarmachen, wie normal eigentlich Veränderung ist. Die Automobilhersteller haben früher auch Nähmaschinen gebaut. Um Investitionen kommt dabei niemand herum. Wer nicht selbst in Forschung und Entwicklung investiert oder investieren kann, der muss später in Adaption investieren, denn er muss die Entwicklungen anderer für sich passend machen.

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Königstor 20
34117 Kassel
Tel.: +49 (0) 561 99858-0 
E-Mail: presse[at]wingas.de

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