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26.01.2016

„Die deutsche Energiewende ist global nicht machbar“

Kassel. Die Welt ist im Umbruch. Dies hat enorme Auswirkungen auf die globalen Energiemärkte und damit einhergehend den Klimaschutz. Professor Karl Rose, Senior Director Scenarios and Policies beim World Energy Council, beschreibt die größten Herausforderungen für die globale Energieversorgung und die Entwicklung des Energiemarktes in Deutschland.

Herr Rose, die Weltklimakonferenz in Paris ist kürzlich zu Ende gegangen. Wie schätzen Sie die globalen Klimaziele ein?

Eines vorab: globaler Klimaschutz ist enorm wichtig. Jedwede Anstrengung in diesem Bereich ist zu begrüßen. Ich bin allerdings sehr skeptisch, ob sich das 2-Grad-Ziel wirklich erreichen lässt. Wir schauen auf die Energieversorgung immer mit einem europäischen Blick. Nimmt man eine globale Perspektive ein, wird offensichtlich, dass sich der Energieverbrauch halt nicht nur mit Erneuerbaren decken lässt.  

Wie sieht die Energieversorgung denn zukünftig aus?

Wir sehen mehrere Trends. Zum einen das starke Wachstum der Fotovoltaik. Die Kosten sind bereits so stark gefallen, dass Solartechnologie im globalen Energiemix bis 2050 immerhin 30 bis 50 Prozent ausmachen wird. Gleichzeitig werden wir eine Wiederbelebung der Kernkraft beobachten. In vielen Ländern befinden sich bereits heute neue Kernkraftwerke in Planung oder Bau. Außerdem werden die USA ihren Wettbewerbsvorteil mit niedrigeren Energiekosten weiter ausbauen. Aber auch Erdgas wird seine Position im Energiemix weiter deutlich ausbauen. Es ist speicherbar und stets verfügbar. Daher  gehen wir weltweit von einen steigenden Verbrauch aus.

Welche Entwicklungen sehen Sie für Deutschland?

Die Energielandschaft wird sich weiter verändern. Etwa die Hälfte der aktuell bestehenden Energieversorgungsunternehmen  werden in den nächsten Jahren vom Markt  verschwinden – und diese Entwicklung betrifft keineswegs nur kleine Unternehmen. Im Wärmemarkt wird Erdgas mit den Erneuerbaren stärker konkurrieren. Und für Gaskraftwerke sehen wir eigentlich nur eine Lösung: da der Markt hier nicht mehr funktioniert und sich das auch mittelfristig nicht ändern wird, bleibt eigentlich nur der Abbau der Anlagen. Eigentlich ein Unding.

Deutschland gilt als Vorreiter der Energiewende. Lassen sich die Ziele und Umsetzung einfach auf andere Länder übertragen?

Ganz klar nein. Global ist das überhaupt nicht vorstellbar. Bei den Erneuerbaren ist ein Back-up-System von 80 bis 90 Prozent notwendig. Das können sich ärmere Länder ganz schlicht nicht leisten. Und auch in Deutschland stellt sich ja die soziale Frage: die Effekte der Energiewende, wie steigende Energiekosten, benachteiligen sozial Schwache enorm. Sie müssen einen weit höheren Anteil ihres Einkommens für Energie aufwenden.

Wie sieht es dann im Bereich Energieeffizienz aus? Einsparungen müssten doch überall leicht möglich sein?

Auch hier ist die Situation nicht so einfach. In den meisten Regionen gibt es ein starkes Bevölkerungswachstum. Allein dadurch werden alle Einsparbemühungen wieder aufgehoben. Und wenn wir über Einsparzielen von 80 Prozent sprechen, ist das schlicht unrealistisch. Und dabei ist noch gar nicht berücksichtigt, dass auch in den nächsten Jahren noch ein großer Teil der Weltbevölkerung überhaupt keinen Zugang zur Energieversorgung hat.

Wo sehen Sie Potential für den Klimaschutz?

Größtes Problem im Hinblick auf CO2 ist die Kohle. Bei einem Ausstieg aus der Kohle könnten leicht erhebliche Mengen an CO2-Emissionen eingespart werden. Auch im Transportbereich ließen sich leicht Einsparungen erzielen. Beispiel Schifffahrt: die größten 300 Tanker emittieren so viel CO2 wie rund 200.000 Pkw – und für Schwefelemissionen sehen die Zahlen noch viel erschreckender aus. Eine Umstellung dieser 300 Schiffe würde bereits mehr zum globalen Klimaschutz beitragen als viele Energiesparmaßnahmen in Privathaushalten.

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34117 Kassel
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E-Mail: presse[at]wingas.de

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