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18.07.2017

Erdgas stärken als Schlüssel zur effizienten Energiewende

Kassel. Wohnungswirtschaft, Verkehr und Energieerzeugung: In allen Bereichen wird zunehmend auf geringe Treibhausgasemissionen geachtet. Das stellt Stadtwerke und Energieversorger europaweit vor große Herausforderungen. Erdgas als umweltfreundlichster Energieträger kann bei der Dekarbonisierung eine Schlüsselposition einnehmen. Im Interview mit WINGAS erläutert Dr. Volker Breisig, Partner bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers, welche Chancen und Risiken sich im Erdgasmarkt ergeben, warum die Digitalisierung für Stadtwerke so wichtig ist und welche Rolle LNG auf europäischer Ebene spielt.

Herr Dr. Breisig, der europäische Erdgasmarkt wächst durch eine Vielzahl an Infrastrukturprojekten immer enger zusammen. Gleichzeitig ist die Kohleproduktion in der EU stark zurückgegangen und zu Beginn des Jahres hatte dann auch Frankreich noch Probleme mit der Atomstromversorgung. Wie bewerten Sie vor diesem Hintergrund die Rolle des Erdgasmarktes für die europäische Energieversorgung?

Wie wichtig Erdgas in der Energieversorgung ist, konnte jeder sehen, als Frankreich wegen seiner Atomkraftwerke Probleme in der Stromversorgung hatte. Erdgas war der Energieträger, der den Markt versorgen konnte. Da hat sich gezeigt, wie schnell so ein Engpass entstehen kann, aber auch, wie entscheidend die Rolle von Erdgas ist um einen solchen aufzulösen. Auf solche Situationen müssen die Energieversorger in Zukunft vorbereitet sein. Hierbei kommt auch der Speicherinfrastruktur eine besondere Bedeutung zu, um eine sichere Versorgung und ausreichend Leistung bereit zu stellen.

Die Versorgungssituation mit Erdgas ist in Nordwesteuropa komfortabel. Welche Chancen ergeben sich dadurch bei der Beschaffung für Energieversorger?

Die Entwicklung beim Erdgas ist in der Tat erfreulich, insbesondere der Preis ist attraktiv. Zudem ist gerade Westeuropa durch die zahlreichen LNG-Häfen sehr gut diversifiziert. Diese Situation sorgt dafür, dass der Gasmarkt auch künftig nicht besonders volatil sein wird. Die Beschaffungskosten werden daher immer wichtiger und Stadtwerke sollten diese Kurzfristsituationen nutzen, um gute Preise beim Einkauf zu erzielen. Gleichzeitig sollten auch Erdgasversorger intelligente und neue Produktangebote in den Markt bringen, die beispielsweise Flexibilität oder Energieeffizienz beim Endabnehmer honorieren. um

Welche Rolle spielt Flüssiggas für den europäischen Erdgasmarkt?

LNG bildet eine Preisobergrenze, das heißt, es bestimmt das Preisniveau und spielt daher eine immer wichtigere Rolle auf dem europäischen Gasmarkt. Es kann konvertiert und ins Netz eingespeist oder auch direkt genutzt werden, zum Beispiel im Transportsektor.

Was müssen Stadtwerke tun, um den Fuel Switch voranzubringen?

Für eine zielgerichtete Planung muss die Digitalisierung in den Energieversorgungsunternehmen vorangetrieben werden. Die lokalen Daten sind entscheidend, sie sind das Rüstzeug für die Umsetzung der Energiewende vor Ort. Ein Stadtwerk muss wissen, wer in seinem Gebiet über eine Ölheizung verfügt oder wie hoch der Erdgasverbrauchin einem bestimmten Quartier ist. Nur dann können sie das Fuel Switch-Potenzial ermitteln und weitere Geschäftsfelder erschließen, indem sie dem Kunden effiziente Energielösungen mit Mehrwert anbieten. Momentan hinkt hier die Gaswirtschaft den Stromanbietern hinterher, die in Sachen Big Data schon viel weiter sind. 

Wo sehen Sie Risikofaktoren im Erdgasmarkt?

Der Gedanke einer „all electric society“ ist bei Verbrauchern und Politik weit verbreitet. Insofern besteht hier für den Erdgasmarkt ein Risiko, wenn Erdgas nicht stärker als Alternative platziert werden kann. Das ist auch für die Erdgas-Infrastruktur problematisch. Sie garantiert den Einsatz von Power-to-Gas und damit überhaupt eine mögliche Sektorkopplung. Die Gaswirtschaft darf sich deshalb nicht ausruhen, auch wenn die Zahlen gerade gut sind. Erdgas ist eben nicht „business as usual“, sondern ein wesentlicher Baustein einer erfolgreichen Energiewende, der beworben werden muss.

Wie können Stadtwerke und Industrieunternehmen diese Risiken minimieren?

Für Industrieunternehmen sehe ich keine Risiken. Als große Abnehmer bieten sich ihnen eher Chancen und neue Möglichkeiten im Rahmen der Energiewende. Stadtwerke hingegen befinden sich in einem Umbruch, ihre angestammten Geschäftsfelder werden in Frage gestellt. Ihr Vorteil ist die lokale und regionale Verwurzelung: Sie haben von Haus aus den besten Zugang zur Infrastruktur, sind in der Regel sehr gut organisiert und genießen großes Vertrauen bei den Kunden. Diese Vorteile müssen sie viel stärker ausspielen und aktiver Treiber der Energiewende sein. Dann sind die Risiken überschaubar.

Welche Auswirkungen hat die zurückgehende L-Gas-Förderung in den Niederlanden auf den Erdgasmarkt?

Es ist natürlich ein Warnsignal, dass die Niederlande aus der Erdgasförderung aussteigen. Deutschland ist jedoch gut diversifiziert und kann den Bedarf über russisches und norwegisches H-Gas, aber auch über LNG decken. Jetzt ist es vor allem wichtig, die Umstellung von L- auf H-Gas reibungslos und strukturiert abzuwickeln.

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Königstor 20
34117 Kassel
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E-Mail: presse[at]wingas.de

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