Presseservice der wingas.

Immer aktuell informiert

08.11.2011

Feierliche Inbetriebnahme der Nord Stream-Pipeline – Meilenstein für die europäische Versorgungssicherheit

Hochrangige Vertreter aus Politik und Wirtschaft feiern in Lubmin an der deutschen Ostseeküste den Beginn der Gaslieferungen | Die neue Pipeline verschafft Europa für mindestens 50 Jahre direkten Zugang zu den großen Gasreserven in Russland

Sie lassen das Gas fließen. Vorne von links nach rechts: François Fillon, französischer Premierminister; Bundeskanzlerin Angela Merkel; Mark Rutte, niederländischer Premierminister; Dmitrij Medwedew, Präsident der Russischen Föderation; und EU-Energiekommissar Günther Oettinger. Zusammen drehen sie symbolisch den Gashahn des ersten Leitungsstrangs der Nord Stream-Pipeline auf. Hinten von links nach rechts: Gérard Mestrallet, Vorsitzender und CEO der GDF SUEZ S.A.; Gerhard Schröder, Vorsitzender des Aktionärsausschusses und ehemaliger Bundeskanzler; Dr. Johannes Teyssen, Vorstandsvorsitzender der E.ON AG; Alexei Miller, Vorstandsvorsitzender von OAO Gazprom; Dr. Kurt Bock, Vorstandsvorsitzender der BASF SE; Erwin Sellering, Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern; Matthias Warnig, Geschäftsführer der Nord Stream AG; und Paul van Gelder, Vorsitzender und CEO der N.V. Nederlandse Gasunie.

 

Lubmin/Zug. Der erste Strang der Nord Stream-Pipeline wurde heute in Gegenwart von hochrangigen Gästen feierlich in Betrieb genommen. Vertreter aus Politik und Wirtschaft, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel, der russische Präsident Dmitrij Medwedew, der französische Premierminister François Fillon, der niederländische Premierminister Mark Rutte sowie der EU-Kommissar für Energie, Günther Oettinger, nahmen an der feierlichen Eröffnung teil. Sie würdigten das Nord Stream-Projekt als wichtigen Beitrag für die langfristige Energiesicherheit in Europa. Mit der Fertigstellung des zweiten Leitungsstrangs im Jahr 2012 wird die 1.224 Kilometer lange Pipeline eine jährliche Transportkapazität von bis zu 55 Milliarden Kubikmetern haben und die Europäische Union für mindestens 50 Jahre mit russischem Erdgas versorgen können.

500 Gäste aus Politik und Wirtschaft nahmen neben den Staats- und Regierungschefs an den Feierlichkeiten zum Beginn der Erdgas-Lieferungen durch die Nord Stream-Pipeline teil. Die Pipeline wurde von den Staats- und Regierungschefs der Länder, aus denen die Anteilseigner des Projekts stammen, EU-Kommissar Oettinger und Spitzenvertretern der Anteilseigner in Betrieb genommen. Der Festakt fand an der deutschen Anlandestation der Leitung in Lubmin statt. Dort wird das Erdgas aus der Nord Stream-Pipeline über die weiterführenden Leitungen OPAL und NEL in das europäische Fernleitungsnetz eingespeist.

Vertreter der Anteilseigner der Nord Stream AG – OAO Gazprom, BASF SE/Wintershall Holding GmbH, E.ON Ruhrgas AG, N.V. Nederlandse Gasunie und GDF SUEZ S.A. – bezeichneten die Pipeline als Schlüsselprojekt für Europas Energieinfrastruktur, das hinsichtlich Zeitplan und Kosten wie geplant umgesetzt worden ist. Dem europäischen Steuerzahler entstehen dabei keinerlei Kosten: Die fünf Unternehmen finanzieren 30 Prozent des Investitionsvolumens von 7,4 Milliarden Euro durch Eigenkapital. Weitere 70 Prozent des Projektbudgets werden durch Kredite abgedeckt. An der Finanzierung sind insgesamt etwa 30 Banken beteiligt.
Die Teilnahme von EU-Energiekommissar Günther Oettinger an den Feierlichkeiten betont die Bedeutung dieses Infrastrukturprojekts für Europa. Die Europäische Kommission, das Europäische Parlament und der Rat der Europäischen Union haben die Nord Stream-Pipeline bereits im Jahr 2006 in die Leitlinien für die Transeuropäischen Energienetze (TEN-E) der Europäischen Union aufgenommen und dem Projekt den Status eines „Vorhabens von europäischem Interesse“ eingeräumt.

„Mit der Nord Stream-Pipeline eröffnet sich eine sichere, moderne und zuverlässige Route für Erdgaslieferungen aus Russland in die Europäische Union. Bestehende Transitrouten durch die Ukraine und Weißrussland werden so sinnvoll ergänzt“, betonte Matthias Warnig, Nord Stream Managing Director. Gazprom Export hat langfristige Verträge abgeschlossen, um Erdgas über die Nord Stream-Pipeline an Verbraucher in Deutschland, Dänemark, Großbritannien, den Niederlanden, Frankreich, der Tschechischen Republik und anderen europäischen Ländern zu liefern.

„Diese neue, direkte Verbindung zwischen Russland und der EU ist eine langfristige Lösung für die Versorgungssicherheit Europas“, so Warnig. In Fachkreisen besteht Einigkeit darüber, dass die Importlücke von Erdgas in Europa auf lange Sicht noch größer werden wird. Die Internationale Energieagentur (IEA) geht davon aus, dass Erdgas bis zum Jahr 2030 der wichtigste Energieträger in der Europäischen Union werden wird. Diesem zunehmenden Bedarf steht jedoch ein Rückgang der heimischen Produktion gegenüber. „Um den steigenden Gasimportbedarf zu decken, haben unsere Anteilseigner in ein Infrastrukturprojekt investiert, das für mindestens 50 Jahre eine direkte Verbindung zwischen den europäischen Märkten und den großen russischen Gasreserven schafft“, fügt Warnig hinzu.

Vor dem Beginn der Verlegearbeiten für die Erdgasleitung im April 2010 wurden das technische Design und der Streckenverlauf für den sicheren und umweltfreundlichen Bau und der Betrieb der Pipeline genau geplant. Neben den nationalen Genehmigungsverfahren in den fünf Ländern, durch deren Gewässer die Pipeline verläuft, wurden auch Bedenken aller Ostsee-Anrainerstaaten in einem internationalen Konsultationsverfahren gemäß dem Espoo-Übereinkommen berücksichtigt. Das Konsortium hat darüber hinaus mehr als 100 Millionen Euro in umfangreiche Umweltuntersuchungen in der Ostsee investiert. Weitere 40 Millionen Euro sind für das umfassende Umweltmonitoring-Programm vorgesehen, um Auswirkungen auf die Umwelt auszuschließen.
 
 
Hinweise für Journalisten:


Nord Stream ist eine Erdgaspipeline, die Russland und die Europäische Union durch die Ostsee verbindet. Die Erdgasimporte in die Europäische Union betrugen 2008 circa 320 Milliarden Kubikmeter. Dieser Importbedarf wird bis zum Jahr 2030 auf über 500 Milliarden Kubikmeter jährlich wachsen. Die EU muss dann 188 Milliarden Kubikmeter zusätzliches Erdgas importieren (Quelle: IEA, 2011). Mit dem Anschluss des europäischen Gasleitungsnetzes an einige der größten Gasreserven der Welt wird Nord Stream  fast ein Drittel des zusätzlichen Gasimportbedarfs der Europäischen Union der nächsten Jahrzehnte decken können. Das Projekt wird ein bedeutender Beitrag zur langfristigen Sicherung der Gaslieferungen und ein Meilenstein für die Energiepartnerschaft zwischen der Europäischen Union und Russland sein.

Der erste der zwei Leitungsstränge der Nord Stream-Pipeline ist seit November 2011 in Betrieb. Jeder Strang mit einer Gesamtlänge von über 1.220 Kilometern hat eine jährliche Transportkapazität von etwa 27,5 Milliarden Kubikmetern Erdgas. Über 65 Prozent des zweiten Pipelinestrangs wurden bereits verlegt. Die Transportkapazität wird mit der Fertigstellung des zweiten Leitungsstrangs Ende 2012 auf rund 55 Milliarden Kubikmeter pro Jahr verdoppelt werden. Dies ist genügend Erdgas, um 26 Millionen europäische Haushalte zu versorgen.

Die Nord Stream AG ist ein internationales Joint Venture, das zur Planung, zum Bau und zum anschließenden Betrieb der Pipeline durch die Ostsee gegründet wurde. Die russische OAO Gazprom ist mit 51 Prozent an dem Gemeinschaftsprojekt beteiligt. Die deutschen Unternehmen BASF SE/Wintershall Holding GmbH und E.ON Ruhrgas AG halten je 15,5 Prozent, die niederländische N.V. Nederlandse Gasunie und das französische Unternehmen GDF SUEZ S.A. jeweils 9 Prozent der Anteile.

Nord Stream wird in den Leitlinien für die Trans-Europäischen Energienetze (TEN-E) der Europäischen Union gelistet. Das Projekt wurde im Jahr 2006 von der Europäischen Kommission, vom Europäischen Parlament und vom Europäischen Rat mit dem Status eines „Vorhabens von europäischem Interesse“ ausgezeichnet. Nord Stream wird also als Schlüsselprojekt für Europas Energieinfrastruktur anerkannt.

Der Bau der Nord Stream-Pipeline hat planmäßig im April 2010 begonnen. Zuvor wurden umfassende Umweltuntersuchungen und eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) entlang des gesamten Routenverlaufs durchgeführt. Drei Spezialschiffe verlegen die Nord Stream-Pipeline: Die Castoro Sei (Saipem) ist für den Großteil der Verlegung in der Ostsee im Einsatz. In den küstennahen Gewässern Deutschlands hat die Castoro Dieci (Saipem) die Verlegearbeiten bereits abgeschlossen. Im Finnischen Meerbusen hat die Solitaire (Allseas im Auftrag von Saipem) die Arbeiten an der Pipeline im August 2011 beendet. Der erste Leitungsstrang wurde im Jahr 2011 in Betrieb genommen, der zweite soll im Jahr 2012 folgen.

Im Jahr 2010 hat Nord Stream 13 Millionen Euro in ein umfassendes Umweltmonitoring-Programm investiert. Mehr als 20 Unternehmen untersuchen die Auswirkungen der Pipelineverlegung auf Flora und Fauna der Ostsee. Entlang der gesamten Trasse – in russischen, finnischen, schwedischen, dänischen und deutschen Gewässern – werden an etwa 1.000 Standorten Daten zu 16 verschiedenen Parametern gesammelt. Dazu gehören beispielsweise die Wasserqualität, Populationen von Fischen, Vögeln und Meeressäugern sowie die Regeneration des Meeresbodens. Diese Daten werden von international anerkannten Instituten ausgewertet und Nord Stream meldet die Ergebnisse den zuständigen Landesbehörden. Das Umwelt-Monitoring wird auch nach der Inbetriebnahme der Pipeline bis in das Jahr 2016 fortgeführt. Nord Stream wird dafür voraussichtlich insgesamt rund 40 Millionen Euro investieren.

Ihr Kontakt

Königstor 20
34117 Kassel
Tel.: +49 (0) 561 99858-0 
E-Mail: presse[at]wingas.de

Ihr Kontakt

Königstor 20
34117 Kassel
Tel.: +49 (0) 561 99858-0 
E-Mail: presse[at]wingas.de