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03.07.2014

„Man sollte REMIT nicht auf die leichte Schulter nehmen“

Frau Dr. Susann Funke kennt sich im REMIT-Dschungel bestens aus und unterstützt Unternehmen bei der Umsetzung.

Interview mit Frau Dr. Susann Funke, Spezialistin im Bereich Regulation & Compliance

Mit der REMIT-Verordnung (Regulation in Market Integrity and Transparency) hat die Europäische Union klare Vorgaben für die Erhöhung der Transparenz des Energiehandels geschaffen. Nachdem die Vorschriften zum Umgang mit Insider Informationen und der Marktmanipulation bereits seit 2011 angewandt werden müssen, kommen ab 2015 zusätzliche umfangreiche Meldepflichten auf die Unternehmen zu. Doch gerade viele kleine Stadtwerke und Energiefirmen, aber auch Industrieunternehmen haben mit der Umsetzung dieser verbindlichen Richtlinie noch nicht begonnen. Dr. Susann Funke, Spezialistin im Bereich Regulation & Compliance bei der Executive Partner Group, erklärt, weshalb die schnelle Einbindung und Umsetzung von REMIT im Unternehmen so wichtig ist, warum es kaum Ausnahmeregelungen gibt und welche neuen Regularien in Kürze verbindlich werden.

 
WINGAS: Welche Fortschritte beobachten Sie bei der Umsetzung von REMIT im Energiemarkt?

Dr. Susann Funke: Große Unternehmen sind mit der Implementierung weit fortgeschritten. Bei den Kleineren ist hingegen oftmals noch nicht all zu viel passiert, sie haben meist gerade erst mit der Analyse begonnen. Welche Produkte betroffen und wie die Meldepflichten technisch umzusetzen sind, sind dabei die entscheidenden Fragen. Viele Stadtwerke haben zunächst auch damit gerechnet, dass sie unter eine Ausnahmeregelung fallen, die es aber nicht gibt.

 
Nach welchen Kriterien wird entschieden, ob ein Unternehmen oder Stadtwerk unter die REMIT-Regulierung fällt?
Es kommt darauf an, ob es mit Energiegroßhandelsprodukten im Sinne der Regulierung handelt. Praktisch ist davon jedes Energie- und Industrieunternehmen betroffen, das mit physischen Produkten wie Gas Handel betreibt.

 
Sie haben bei der Umsetzung der Regularien auch WINGAS unterstützt. Wie sind Sie dabei vorgegangen?
Wir haben nahezu alle WINGAS-Mitarbeiter bezüglich der Handhabung von Insiderinformationen geschult. Sie kennen die Guidelines und wissen, wie das Meldeverfahren bzgl. potentieller Insiderinformationen abläuft. Bei der Überprüfung durch eine Behörde hat WINGAS nichts zu befürchten, alle Anforderungen wurden umgesetzt. Auch auf der Homepage hat WINGAS nun eine eigene Rubrik eingerichtet, auf der Insiderinformationen veröffentlicht werden können, sofern es welche geben sollte.

 
Welche neuen Regularien werden in naher Zukunft von Seiten der EU für Unternehmen verbindlich?

Die EU arbeitet gerade an einem weiteren REMIT-Implementierungsakt, der in den kommenden Monaten erwartet wird. Zudem sollen auch Mitte des Jahres die „Registered Reporting Mechanism“ (RRM) erlassen werden. In diesen beiden Regelungen werden Details zum Transaktionsreporting aufgeführt sein, etwa welche Datenfelder in welchem Format gemeldet werden müssen und insbesondere was zu beachten ist, wenn der Reportingprozess outgesourct werden soll. Vor allem die Frage der Haftung ist in diesem Rahmen äußerst interessant und relevant.

 
Welche Auswirkungen haben diese Anforderungen?
Die Transaktionsdaten müssen ab dem Jahre 2015 gemeldet werden. Das ist für alle verbindlich, schafft  Transparenz, ist aber auch mit Kosten verbunden. Gerade der IT-Aufwand ist für kleine Unternehmen größer. Auch Kleinststadtwerke müssen sich mit den Regularien und der Ressourcenfrage auseinandersetzen. Ich schätze, dass eine Vollzeitstelle dafür eingeplant werden muss, denn das Reporting der Transaktionsdaten, die damit verbundene Kontrolle, ob die Datenfelder richtig befüllt worden sind und ob die entsprechenden Identifikationsnummern hinterlegt worden sind, sind vom Zeitaufwand her nicht zu unterschätzen. Dies gilt erst recht, wenn sich ein Unternehmen dafür entscheidet, das Transaktionsdatenreporting nicht IT-gestützt, sondern händisch auszuführen. Insgesamt sollte man REMIT nicht auf die leichte Schulter nehmen, da es Strafregelungen gibt. Die Markttransparenzstelle (Anm. d. Red.: Behörde, die für die Einhaltung zuständig ist) kann auch Jahre später noch überprüfen, ob das Reporting korrekt erfolgt ist.


Was sind die wichtigsten Punkte, die Energieunternehmen bei der Umsetzung von REMIT beachten müssen?
Zum einen muss eine Voranalyse zeigen, inwieweit man von REMIT betroffen ist. Anschließend muss sich das Unternehmen anschauen, mit welchen Produkten es handelt und welche Verträge es hat. Dadurch definiert sich die Art des Reportings sowie die Datenfelder, die künftig ausgefüllt werden müssen. Zudem muss eine gewisse Routine oder Automatisation beim Reporting festgelegt werden und erfolgen. Das ist zwingend erforderlich, da diese Datenmenge händisch kaum zu schaffen ist. 


Welches sind die klassischen Fehleinschätzungen, mit denen Sie konfrontiert werden?
Viele kleinere Stadtwerke glauben, dass es eine Ausnahmeregelung für sie gibt. Das ist definitiv falsch. Eine solche Regelung gibt es nur für Endkunden, da diese nicht handeln und das Ende der Lieferkette darstellen. Die Verbrauchsobergrenze liegt bei 600 Gigawattstunden pro Jahr. Sollte man Kunden haben, die diesen Wert übersteigen, so unterliegen auch diese der REMIT-Meldepflicht. Denn auch hier geht es um die generelle Transparenz im Markt. Das ist ein bisschen wie bei der GEZ: Wer einen Fernseher im Keller stehen hat, muss zahlen. Selbst wenn er diesen nicht nutzt. Alleine die theoretische Möglichkeit des Fernsehempfangs verpflichtet zur Zahlung. Im Falle der Stadtwerke zur REMIT-Meldung.

 
Mit welchen Konsequenzen müssen Energieunternehmen rechnen?
Die unterlassene Meldung beziehungsweise ein vergessenes Reporting stellt eine Ordnungswidrigkeit dar und kann zu hohen Geldbußen führen. Das können im schlimmsten Fall bis zu 200.000 € sein. Aber auch kleinere Summen können für Stadtwerke bereits eine empfindliche Strafe bedeuten. Gefängnisstrafen gibt es nur bei Marktmissbrauch, wie beispielsweise bei Marktmanipulation. Sie sehen, es bleibt weiter spannend und auf die Unternehmen kommen neue Herausforderungen zu.

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Königstor 20
34117 Kassel
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E-Mail: presse[at]wingas.de

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