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29.07.2009

Mit der Erdgasleitung OPAL auf Zeitreise

Archäologen stoßen auf zahlreiche historische Funde entlang der Leitung / Einmalige Chance für umfangreiche Bodenuntersuchungen

Kassel. Sie sind die ersten Vorboten einer jeden neuen Erdgasleitung: Lange bevor die Bauarbeiter kommen, sind Archäologen entlang der Leitungstrasse tätig und untersuchen das Terrain auf historische Fundstätten. Bieten doch die Bauarbeiten einen einmaligen Blick unter die Erdoberfläche. Auch die mehr als 470 Kilometer lange Trasse der Erdgasleitung OPAL (Ostsee-Pipeline-Anbindungs-Leitung) wird derzeit intensiv von den Denkmalpflegern in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen auf Zeitzeugen hin untersucht.
 
„Auf der Strecke zwischen der Ostseeküste bei Greifswald, dem Anlandepunkt der Nord Stream, und der deutsch-tschechischen Grenze haben die Mitarbeiter der jeweiligen Landesdenkmalämter insgesamt über 280 Ausgrabungsstellen identifiziert, die nun nach und nach genauer untersucht werden“, erklärt Hans-Georg Egelkamp, OPAL-Projektleiter der WINGAS-Gruppe. Die Untersuchungen, die von der Unternehmensgruppe komplett finanziert werden, wurden nach dem Ende der Raumordnungsverfahren vor rund einem Jahr gestartet. Dabei sind die Archäologen der Landesdenkmalämter bereits auf mehrere wertvolle Funde gestoßen.
 
Besonders stolz sind die Mitarbeiter des sächsischen Landesamtes für Archäologie auf einen 3000 Jahre alten Holzbrunnen, den sie bei Kalkreuth, rund 30 Kilometer nördlich von Dresden, gefunden haben. „Der Holzbrunnen ist sehr gut erhalten und konnte von uns komplett ausgegraben werden“, erklärt Dr. Christoph Steinmann, Leiter der Grabungsarbeiten. Derzeit wird der Brunnen im Archiv des Landesamtes für Archäologie untersucht. Die Wissenschaftler erhoffen sich von den Erkenntnissen Rückschlüsse auf die Lebensweisen und die Umweltsituation der damaligen Zeit. Auch einige Keramikscherben, die wenige Kilometer weiter nördlich gefunden worden sind, wecken das Interesse der Denkmalpfleger. „Die Scherben von Brockwitz sind bisher das älteste, was man im Elbtal gefunden hat", betont der Mitarbeiter des Landesamtes. Die Scherben stammen aus der Zeit der Linienbandkeramik, die die Anfänge der Keramikherstellung vor mehr als 7000 Jahren markiert. Die Steinzeitmenschen, die vor Jahrtausenden dieses Tongeschirr gebrauchten, seien aus dem Böhmischen gekommen, um sich hier erstmals anzusiedeln.  Steinmann: „Dass sich die jungsteinzeitliche Siedlung so nah am Fluss befand, ist eine ungewöhnliche Entdeckung. Typische Fundorte lagen eher links der Elbe und zumeist in den Seitentälern etwas weiter vom Fluss entfernt.“
 
Uckermark: Funde aus der Jungsteinzeit
 
Auch in der Uckermark, nahe der Gemeinde Grünow, sind die Archäologen auf jahrtausende alte Tonscherben gestoßen. „Der Fund der rund 6000 Jahre alten Tonscherben und Tierknochen aus der Jungsteinzeit ist bislang einer der außergewöhnlichsten entlang dem brandenburgischen Abschnitt der OPAL“, erklärt die zuständige Referatsleiterin des brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege, Dr. Sabine Eickhoff. „Er liefert uns wertvolle Erkenntnisse über das damalige Alltagsleben.“ Insgesamt handele es sich um das bislang größte entdeckte Ensemble dieser Art in Brandenburg. Die Fundstelle befand sich in einer Senke und war mit Spuren aus der viel späteren Slawenzeit überlagert, so dass sie nicht der Erosion zum Opfer fiel. „Auch ein Pflug hat die Stelle nie zerstört", erläutert Eickhoff. Zudem hätten weder Maulwürfe noch Mäuse ihre Spuren dort hinterlassen. Dort gefundene Knochen, die von Rindern, Schweinen, Schafen und Ziegen alter Rassen sowie Wildtieren stammen, werden nun genauer untersucht. Davon erhoffen sich die Forscher Erkenntnisse über frühere Ernährungsgewohnheiten. Eickhoff: „So lässt sich unter anderem von den Schnittspuren ableiten, wie die Menschen ihr Essen zubereitet haben.“
 
Nahe der Stadt Bad Freienwalde wurden die Archäologen von einer ebenfalls in der Jungsteinzeit angelegten Kreisgrabenanlage überrascht. „Von dem Fundplatz wussten wir bis dahin nur, dass sich dort eine eisenzeitliche Siedlung aus der Zeit um 800 vor Christus befand", berichtet Eickhoff. Die nun gefundene Kreisgrabenanlage mit vier Zugängen über einen Graben und einen Wall lasse sich auf die Jahre 4200 bis 4500 vor unserer Zeitrechnung datieren. Der Leitungsbau bietet laut Eickhoff den Archäologen die besondere Chance, „einen Längsschnitt durch das ganze Land" vorzunehmen. In Brandenburg werden die Archäologen insgesamt über 200 Fundstellen untersuchen können. Einige der Funde sollen in Diplomarbeiten an der Freien Universität Berlin wissenschaftlich ausgewertet werden. Zudem wollen sich angehende Grabungstechniker an der Berliner Fachhochschule für Wirtschaft und Technik mit theoretischen Fragestellungen zu dem Thema befassen.
 
Auch das Landesamt für Kultur- und Denkmalpflege in Mecklenburg-Vorpommern nutzt die Verlegung der OPAL, um archäologische Untersuchungen durchzuführen. „Im Verlauf der Leitungsstrecke in Mecklenburg-Vorpommern haben wir bislang 85 Teilbereiche untersucht und dabei 35 besonders wertvolle Fundplätze ausgemacht“, sagt Dr. Jens-Peter Schmidt vom Schweriner Landesamt. „Diese werden bereits im Vorfeld der Verlegearbeiten vollständig ausgegraben, um sie möglichst unversehrt bergen und bewahren zu können. Kurz vor dem Bau werden dann alle übrigen Fundstellen näher untersucht.“ Auch von diesen Arbeiten erwartet sich der Grabungsleiter noch die ein oder andere Überraschung. Unter den bisher gegrabenen Standorten würdigt der Archäologe besonders mehrere Fundstellen nahe Wrangelsburg südlich von Greifswald. „Hier sind wir auf eine kaiserzeitliche Siedlungskammer aus den Jahren Null bis 370 nach Christi gestoßen."
 
Offen gelegtes Gräberareal gibt Aufschluss
 
Die Untersuchungsflächen entlang der OPAL sind für die archäologische Forschung von großer Bedeutung, denn „sie vermitteln Einblick in fast alle Bereiche des täglichen Lebens“, schildert Schmidt. So zeugt ein großes, in der Nähe von Steinfurth offen gelegtes Gräberareal mit 72 jungebronze- und eisenzeitlichen Brandbestattungen sowie 14 jungslawischen Körpergräbern von den damaligen Sitten und Riten. Auch die gut erhaltenen Brunnen und Ofenanlagen aus der vorrömischen Eisen- und der römischen Kaiserzeit in der Nähe von Pasewalk verleihen aufschlussreiche Einblicke. Die Funde auf der südlichen Peene-Seite in Butzow bei Anklam erzählen ihre ganz eigene Geschichte: Die Freilegung eines fast zwei Hektar langen Abschnitts förderte 340 Gruben aus der Jungsteinzeit und aus der Zeit der Slawen, insbesondere jedoch aus der jüngeren Bronzezeit zu Tage. „An dieser Stelle haben wir zahlreiche Gießformreste und Schmelztiegelfragmente entdeckt“, freut sich Jens-Peter Schmidt. „Derartige Funde sind ansonsten ausgesprochen selten und belegen, dass in Butzow ehemals ein Bronzegießer tätig war.“
 
Mit einer Kapazität von 36 Milliarden Kubikmeter Erdgas ist die rund 470 Kilometer lange OPAL-Leitung eine der größten deutschen Energie-Infrastrukturmaßnahmen der vergangenen Jahre. Die Pipeline soll die durch die Ostsee führende Erdgasleitung Nord Stream mit dem europäischen Erdgasleitungssystem verbinden und führt von Lubmin bei Greifswald durch Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen bis in die Tschechische Republik. Die Pipeline wird von WINGAS im Auftrag der OPAL NEL TRANSPORT GmbH und E.ON Ruhrgas AG gebaut. Die Inbetriebnahme der Leitung ist für Herbst 2011 geplant.
 


Die WINGAS GmbH & Co. KG ist als europäisches Energieunternehmen im Erdgas-Handel und -Vertrieb an Kunden in Deutschland, Belgien, Frankreich, Großbritannien, Österreich, der Tschechischen Republik und Dänemark aktiv. Zu den Kunden gehören Stadtwerke, regionale Gasversorger, Industriebetriebe und Kraftwerke. In den Aufbau einer Erdgastransport- und Speicherinfrastruktur hat das Unternehmen seit 1990 mehr als 3 Milliarden Euro investiert. Das über 2.000 Kilometer lange Leitungsnetz der WINGAS TRANSPORT verbindet die großen Gasreserven Sibiriens und die Erdgasquellen in der Nordsee mit den wachsenden Absatzmärkten in Westeuropa. Im norddeutschen Rehden verfügt WINGAS über den größten Erdgasspeicher Westeuropas – mit einem Volumen von über vier Milliarden Kubikmetern Arbeitsgas – und ist am zweitgrößten Speicher Mitteleuropas in Haidach, Österreich, beteiligt. Zur sicheren Versorgung Europas mit Erdgas entstehen derzeit weitere Erdgasspeicher in Großbritannien und Deutschland.
 
Die OPAL NEL TRANSPORT GmbH übernimmt für die Erdgasfernleitung OPAL die Aufgaben des Netzbetreibers. Sie ist Teil der WINGAS-Gruppe. Es ist vorgesehen, dass die OPAL mit dem Gasfernleitungsnetz der WINGAS TRANSPORT verbunden wird.
 
Weitere Informationen unter
www.opal-pipeline.de

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