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08.12.2017

„Ohne zusätzliche Maßnahmen wird die Bundesrepublik ihre Klimaziele verfehlen“

Kassel. Prof. Hans Joachim Schellnhuber ist Direktor des von ihm 1992 gegründeten Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und einer der weltweit renommiertesten Experten auf seinem Gebiet. Im Interview mit WINGAS gibt er einen Einblick, was sich seit dem Klima-Abkommen von Paris getan hat – und was nicht.

Herr Prof. Schellnhuber, die USA sind aus dem Pariser Klimaabkommen ausgestiegen und setzen wieder auf CO2-intensive Energien wie Kohle und Öl. Wie schwerwiegend sind diese Entwicklungen und was prognostizieren Sie im Hinblick auf die internationalen Klimaschutzbemühungen?

Amerika setzt in Wirklichkeit auf Gas aus Fracking, das billiger ist, aber zugleich auch nur halb so klimaschädlich wie Kohle. Vor allem aber betreiben Bundestaaten wie die High-Tech-Region Kalifornien – für sich genommen immerhin die sechstgrößte Volkswirtschaft der Welt – ehrgeizige Klimapolitik. Das relativiert den zerstörerischen Einfluss aus Washington doch sehr. Und so wird dies auch international wahrgenommen.

In Paris hat man sich 2015 darauf geeinigt, den Anstieg der Temperatur gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter auf zwei Grad zu begrenzen. Wie kann die Dekarbonisierung der Weltwirtschaft gelingen?

Ich habe hierzu mit Kollegen einen Fahrplan vorgelegt, in der wissenschaftlich wahrscheinlich wichtigsten Fachzeitschrift „Science“. Wir zeigen hier, wie eine Halbierung der Emissionen alle zehn Jahre zu netto null Emissionen 2050 führt. Zudem haben wir konkrete Maßnahmen aufgeschlüsselt, vom Kohleausstieg bis zur Elektromobilität, vom Solarstrom bis zum Städtebau aus Holz und Karbonfasern statt Stahl und Zement. Die Technologien sind da, wir müssen sie nur hochskalieren.

Bis 2050 möchte Deutschland 80 Prozent seiner CO2-Emissionen einsparen. Welche Rolle werden konventionelle Energien dann noch spielen?

Wenn wir 80 Prozent Emissionen reduzieren, dann sind die fossilen Brennstoffe bereits fast völlig aus dem Spiel. Wir werden dann noch Rest-Emissionen aus einigen industriellen Prozessen und vor allem aus der Landwirtschaft haben, und die sind durchaus eine Herausforderung. Aber Deutschland ist derzeit durchaus nicht auf dem Pfad, bis 2050 tatsächlich seinen Ausstoß von Treibhausgasen um vier Fünftel zu verringern. Ohne zusätzliche Maßnahmen werden wir unsere Klimaziele verfehlen. Und noch ein Aber: Eigentlich müssen wir Mitte des Jahrhunderts unsere CO2-Emissionen bereits um 100 Prozent senken, also noch deutlich stärker als versprochen.

Welche Rolle spielt der Energieträger Erdgas für den internationalen Klimaschutz?

Für eine Übergangszeit kann Gas durchaus hilfreich sein, weil es nur halb so schmutzig ist wie Kohle. Und Gaskraftwerke lassen sich schneller anschalten, wenn die Stromeinspeisung aus den erneuerbaren Quellen schwankt, weil der Wind einmal nicht weht oder die Sonne nicht scheint. Kernkraft und Kohle hingegen sind auf Grundlast ausgelegt, was mit der Welt der Erneuerbaren nicht zusammenpasst. Aber ganz klar ist: Auch Gas muss innerhalb weniger Jahrzehnte aus dem System. Inwieweit dann neue Formen von Gas - also etwa mit Solarstrom produzierter Wasserstoff, der mit CO2 zu Methan reagiert – eingesetzt werden können, ist offen. Darum sollten sich die Unternehmen der Gasbranche aber schleunigst kümmern, wenn sie überleben wollen.

Was muss Deutschland tun, um seine ambitionierten Klimaziele zu erreichen?

Der erste Schritt ist der Kohleausstieg, und hierbei muss die Braunkohle am Anfang stehen. Es ist doch unfassbar, dass ein Hochtechnologieland wie unseres immer noch Rekorde bei diesem schmutzigsten aller fossilen Brennstoffe hält. Für einen geordneten Übergang brauchen wir Ausstiegskommissionen, die für die betroffenen Landstriche – etwa die Lausitz bei uns in Brandenburg – auch alternative wirtschaftliche Perspektiven aufzeigen, etwa im Bereich der Stromspeichertechnologien. Aber auch im Finanzsektor müssen wir umsteuern und die Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass Investitionen aus den fossilen Industrien abgezogen und in saubere Innovationen gesteckt werden. Im Transportsektor müssen wir die Elektrifizierung beziehungsweise den breiten Einsatz von Wasserstoff schaffen. Und so geht es Schritt für Schritt. Entscheidend ist, dass wir uns jetzt wirklich sofort auf den Weg machen.

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