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08.12.2015

Ziel bis 2020: 40.000 Erdgasfahrzeuge für Flandern

Brüssel/Kassel. Der kleine belgische Gliedstaat Flandern hat ehrgeizige Pläne für seine Energieversorgung. Annemie Turtelboom, Vize-Ministerpräsidentin der flämischen Regierung und Ministerin für Haushalt, Finanzen und Energie, im Interview über die zukünftige Energieversorgung und die Vorteile von Erdgasfahrzeugen.

Frau Turtelboom, die Flamen sollten Ihrer Meinung nach ihren Energieverbrauch um 20 Prozent senken. Wie kann das gelingen?

Gemeinsam mit 34 Stakeholdern haben wir in Flandern einen „Innovationspakt“ formuliert. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie wir die Bürgerinnen und Bürger dazu bewegen können, weniger Energie zu verbrauchen. Der erste Schritt ist gemacht. Jetzt beginnen wir mit der Umsetzung in Form von neuen Gesetzen. Eines steht fest: Die einzige Kilowattstunde, die wirklich kostenlos ist, ist die, die nicht verbraucht wird. Welches Potential dafür besteht, soll ein einfaches Beispiel verdeutlichen: In Flandern sind etwa 300.000 Gebäude in schlechtem Zustand −18 Prozent der Dächer sind nicht isoliert, 15 Prozent der Fenster immer noch einfach verglast. Allein durch eine Dachisolierung ließen sich Heizkosten um ein Viertel senken.

Welche Rolle spielen neue Technologien für das Energiesparen?

Im Haushalt für 2016 sind 90 Millionen Euro für Forschung und Entwicklung reserviert. Bis zum Ende der Legislaturperiode haben wir weitere 410 Millionen dafür vorgesehen. Beispielsweise suchen wir nach Möglichkeiten, Wärme noch effizienter zu nutzen. Eine Probebohrung in Kempen soll die Frage beantworten, ob der Einsatz von Erdwärme effektiv ist und wie viel Erdwärme für die Erzeugung von Strom und Warmwasser aus dem Boden gewonnen werden kann.
Außerdem hat Flandern noch ein enormes Einsparpotential bei der Nutzung von Restwärme, verglichen etwa mit den Fernwärmenetzen in den Niederlanden und Skandinavien. Darum investieren wir 10,2 Millionen Euro in Projekte mit dem Ziel, die Restwärme aus einem Hafen- und Industriegebiet künftig besser zu nutzen. Diese Wärme ist um einiges günstiger als „grüner“ Strom und erneuerbare Energien – und dabei ebenso nachhaltig.

Die flämische Regierung setzt sich außerdem stark für die Nachhaltigkeit im Automobilbereich ein. Welche Rolle spielt Erdgas dabei?

Bis 2020 strebt die Regierung 100.000 Autos mit grünem Antrieb an. 60.000 davon sollen elektrisch fahren, zudem sollen 40.000 Erdgasfahrzeuge über die flämischen Straßen rollen. Momentan fahren in Flandern 2.000 Autos mit Erdgas. Entsprechend muss ein Aufholprozess stattfinden.
Erdgas ist bereits jetzt viel günstiger als die gängigen fossilen Brennstoffe Diesel und Benzin. Die zusätzlichen Kosten für ein Erdgasauto liegen bei ungefähr 2.000 Euro. Über einen Zeitraum von vier Jahren gerechnet ist es schon jetzt günstiger, sich ein Auto mit Erdgasantrieb anzuschaffen. Erdgas hat zudem große Vorteile für die Umwelt.

Was sind die größten Herausforderungen für Flandern?

Wir sind eine dichtbevölkerte, geografisch kleine Region und haben keinen Platz für große Flächen mit Solarmodulen wie in Deutschland. Nicht zuletzt deshalb ist Erdgas als flexible Säule in einem zweigleisigen System aus fossilen und erneuerbaren Energien ein idealer und wichtiger Partner, insbesondere um Angebot und Nachfrage im Gleichgewicht zu halten. Der Platzmangel bedeutet ferner, dass wir kreativer sein müssen, und damit sind wir derzeit vollauf beschäftigt. Darüber hinaus werde ich häufig gefragt, ob wir es schaffen werden, auf dem Gebiet der Kernenergie unsere Ziele für 2025 zu erreichen. Darauf habe ich eine klare Antwort: Wir müssen diese Ziele erreichen. Deshalb sollte man am besten sofort damit anfangen, statt unnötige Zeit zu verlieren.

Welche Bedeutung haben Ihrer Meinung intelligente Stromnetze und Zähler?

Von den 28 europäischen Ländern arbeiten derzeit bereits 24 am Rollout intelligenter Zähler. Es ist folglich für uns keine Option, zu behaupten, wir bräuchten so etwas nicht. Wir brauchen es sehr wohl. Daher lasse ich zurzeit untersuchen, wer den Rollout der intelligenten Zähler übernehmen sollte. Die Betreiber der Verteilernetze, die private Wirtschaft oder doch die öffentliche Hand? Wir streben an, die ersten intelligenten Zähler noch in dieser Legislaturperiode einzuführen.

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Königstor 20
34117 Kassel
Tel.: +49 (0) 561 99858-0 
E-Mail: presse[at]wingas.de

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