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„Energy Talks“ mit hochrangigen Experten

"Energy Talks" 2017

Energy Talk Dr. Ludwig Möhring, Geschäftsführer WINGAS GmbH: "Deutschland muss seine Klimapolitik ändern"

"Der Klimaschutzplan ist visionäres Denken und nicht mit Fakten untermauert. Darin wird eine Elektrifizierung sämtlicher Sektoren propagiert, aber nicht erklärt, wie dies umgesetzt werde soll. Deutschland hat damit einen gefährlichen und kostspieligen Weg eingeschlagen", sagt Ludwig Möhring, Geschäftsführer WINGAS GmbH. Das habe auch der Bundesrechnungshof erst kürzlich kritisiert. Deutschland habe auch 2016 nicht dafür gesorgt, dass die CO2-Emissionen gesunken sind. Die Energiewende müsse deshalb effektiver und wirtschaftlicher werden. Andernfalls würde Deutschland seine selbsternannte Vorreiterrolle beim Klimaschutz verlieren.

"Erdgas ist die wirtschaftlichste Lösung, um CO2 einzusparen. Es bleibt zukunftsfähig, auch über die nächsten 20 bis 30 Jahre hinaus und kann zeitnah einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Als flexibler Partner der erneuerbaren Energien bringt es die Sektorkopplung voran", betont Möhring.

Es gehe jetzt darum, die unterschiedlichen Energieträger zu integrieren. Dies sei besonders im Heizwärmemarkt mit Erdgas gut möglich. Mindestens jeder zweite Neubau in Deutschland sei an das Erdgasnetz angeschlossen und auch die erdgasbasierte KWK-Technologie trage den Ansatz der Sektorkopplung bereits im Namen. Nicht zuletzt sei die bestehende Erdgasinfrastruktur ein Garant für Versorgungssicherheit.

Energy Talk Tobe Toben-Heiken und Milos Komnenov: "Wir beobachten seit letzten Herbst steigende Erdgaspreise"

Erdgas wird in den kommenden Jahren vor allem in Asien und auch in Europa wieder mehr in der Stromproduktion eingesetzt, sind sich Tobe Toben-Heiken, Gastrader bei WINGAS GmbH, und Milos Komnenov, Senior Gas Trader bei Gazprom Marketing & Trading sicher. "Gas ist Teil des Komplexes Strom-Kohle-Erdgas – und die Nachfrage nach Gas ist seit letzten Herbst gestiegen, besonders im asiatischen Markt, wo zunehmend Gaskraftwerke eingesetzt werden. Darum kommt auch weniger LNG in Europa an, was weiter die Preise treibt", so Komnenov.

Das habe auch Einfluss auf Deutschland, so Komnenov weiter. Hauptgrund für den derzeitigen Preisanstieg seien hier jedoch die aktuell kalten Temperaturen sowie der Versorgungsengpass durch abgeschaltete Atomkraftwerke in Frankreich, was auch der Grund für die derzeit niedrigen Speicherstände sei. „Es gibt eine starke Preis-Volatilität, aber die Gaspreise werden sich harmonisieren“, betont Toben-Heiken. „Wir beobachten zur Zeit, dass wir für die Verstromung wieder mehr Gaskraftwerke benötigen. Es wird also mehr Kapazitäten geben.“

Energy Talk Dominique Both, Gazprom Marketing & Trading: "Der Rückgang im Kohlemarkt ist unumkehrbar"

"Ich sehe kein Comeback der Kohle, da der politische Druck sehr groß ist. Die Frage ist aktuell, welcher Energieträger Kohle ersetzen wird", sagt Dominique Both, Leiter der Abteilung für Strom-, Kohle- und Emissionshandel bei Gazprom Marketing & Trading. Die energiewirtschaftlichen Entwicklungen in Europa seien in den letzten sechs Monaten immens gewesen. Neben dem kalten Wetter und den Atomstromproblemen in Frankreich sei auch die Kohleproduktion in der Europäischen Union stark zurückgegangen. Alleine in Großbritannien seien im letzten Jahr Kapazitäten von 7 GW abgebaut worden, Deutschland werde 2017 in einer ähnlichen Größenordnung nachziehen.

Eine Umkehr dieses Trends sieht Both nicht: "Die europäischen Länder wollen grüner werden und gehen weg von der Kohle. Das bedeutet einen volatileren Markt, aber auch mehr Chancen für Erdgas." Der Energieträger sei hier ein verlässlicher Partner der erneuerbaren Energien, vor allem solange die Speichertechnologie noch nicht ausgreift sei. "Die Entwicklung auf diesem Gebiet sind interessant und der Markt verändert sich derzeit stark. Aber kurzfristig werden Speicher noch keine Rolle spielen", so Both.

Energy Talk Dr. Helge Fischer, Leiter Gaswirtschaftliche Grundsatzfragen bei der WINGAS GmbH: "Mit Erdgas die Versorgungslücke schließen"

Erdgas sei keine Brückentechnologie, sondern vielmehr ein integrativer Partner der erneuerbaren Energien, der eine Zukunft habe – trotz der im Klimaschutzplan popagierten "all electric world", ist sich Dr. Helge Fischer, Leiter Gaswirtschaftliche Grundsatzfrage bei der WINGAS, sicher. "Das Ziel der Bundesregierung, alle Sektoren zu elektrifizieren, wird nicht erreicht werden. Die Lücke in der Stromversorgung ist viel zu groß, selbst wenn wir alle Effizienzpotenziale ausreizen und den Ausbau der erneuerbaren Energien noch stärker forcieren. Damit lässt sich vielleicht der Strommarkt abdecken. Der Wärme- und Transportsektor kann damit aber nicht versorgt werden", so Fischer.

Der Klimaschutzplan sei vielmehr eine Vision und langfristig angelegt. Mit Erdgas ließe sich insbesondere im Wärmemarkt wertvolle Zeit gewinnen, um erneuerbare Lösungen für den stetig steigenden Energiebedarf zu entwickeln. Der Energieträger biete bezahlbaren Klimaschutz und ergänze aufgrund seiner Flexibilität die erneuerbaren Energien perfekt.

Energy Talk Markus Buggisch, Head of Operations, Gazprom NGV Europe: "Es findet ein Umdenken zugunsten von Erdgas-Mobilität statt"

Erdgasautos werden in Zukunft eine größere Rolle im Verkehrssektor spielen. Davon ist Markus Buggisch, Head of Operations bei Gazprom NGV Europe überzeugt. Das liege nicht nur daran, dass nach dem Willen der Bundesregierung bis 2020 rund vier Prozent Erdgasautos auf deutschen Straßen fahren sollen. "Der Umweltgedanke setzt sich bei den Verbrauchern zunehmend stärker durch. Außerdem dürfen Flottenfahrzeuge ab 2020 nur noch 95 Gramm CO2 pro Kilometer emittieren. Hier alleine auf E-Mobility zu setzen, ist utopisch. Wir sehen deshalb großes Potenzial im kommunalen Bereich, etwa beim ÖPNV oder bei Abfallfahrzeugen.

Aber klar ist: Ohne die privaten Nutzer können wir den Erdgas-Anteil von vier Prozent im Automobilsektor nicht erreichen", so Buggisch. Das CNG-Tankstellennetz sei in Deutschland zwar sehr gut ausgebaut, es seien hierzulande jedoch erst 90.000 Erdgas-Fahrzeuge unterwegs. Aktuell kämen auf eine Erdgastankstelle in Deutschland 100 CNG-betriebene Fahrzeuge. Dies sei ein Zuschussgeschäft, da eine Erdgastankstelle erst ab 300 Autos wirtschaftlich sei. "Derzeit sind die Rahmenbedingungen nicht optimal. Dadurch herrscht kaum Planungssicherheit – das gilt für den Verbraucher wie für uns", betont Buggisch.

Energy Talk Robin Feldner, Referent Regulierungsmanagement bei WINGAS GmbH: "Konni 2.0 ist ein wichtiges Regulierungswerkzeug"

Die sukzessive Umstellung von L- auf H-Gas stellt die Netzbetreiber und Marktgebietsverantwortlichen vor eine große Herausforderung. Damit die Kosten im Markt für die immer geringere L-Gas-Menge nicht zu groß werden, sei die Änderung des Konvertierungssystems zum 1. April 2017 eine richtige Entscheidung der Bundesnetzagentur gewesen, sagt Robin Feldner, Referent Regulierungsmanagement bei WINGAS. "Die Umstellung zu Konni 2.0 ist minimal. Das System hat sich nicht dramatisch verändert. Zwar haben alle im letzten Jahr damit gerechnet, dass die Bundesnetzagentur das Konvertierungsentgelt abschafft, aber das hat sich nicht bewahrheitet."

Das Konvertierungsentgelt sei nicht dazu da, um Kosten zu decken, sondern den Austausch von H- zu L-Gas und letztendlich die Versorgung zu sichern, so Feldner weiter. Ob das neue Konvertierungssystem funktioniere, müsse sich erst zeigen. Ein freier Markt sei dennoch keine Option: "Die Marktraumumstellung von L- zu H-Gas findet zwar statt, aber sie geht nicht von heute auf morgen. Deshalb ist der Eingriff richtig", betont der Regulierungsexperte. Konni 2.0 habe aktuelle eine unbeschränkte Laufzeit. Eine relevantes Jahr könne aber 2026 werden. Dann seien alle großen Städte umgestellt – und die Zeit reif, die Effizienz des Systems neu zu bewerten.