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Heizen mit Strom und Gas – Die zwei Säulen des Wärmemarkts von Morgen

15.11.2021

Die Klimaschutzziele für den Wärmemarkt sind ambitioniert – aber möglich. Gas als Heizenergie wird dabei weiterhin eine entscheidende Rolle einnehmen.

Der Umbau der Wirtschaft hin zu mehr Nachhaltigkeit betrifft auch den deutschen Wärmemarkt. 40 Prozent des Energieverbrauchs entfallen hierzulande auf den Gebäudebestand, wobei 85 Prozent des häuslichen Energieverbrauchs sich der Heizwärme und Warmwasserbereitung zuschreiben lassen. Verantwortlich für diesen hohen Verbrauch ist der energetische Zustand vieler Gebäude. Besonders Altbauten genügen häufig nicht den Ansprüchen, die angesetzt werden müssen, um die angestrebte Klimaneutralität des Wohngebäudebestandes zu erreichen.1

Der Wärmesektor konnte in den vergangenen Jahrzehnten seine Emissionen zwar reduzieren. Mit Blick auf die ambitionierten Klimaziele der Bundesregierung besteht allerdings weiterhin Nachholbedarf: 44 Prozent seiner CO2-Emissionen soll der Gebäudesektor bis zum Jahr 2030 einsparen. Das ist ein Richtwert, der ohne deutliche Effizienzsteigerungen bei der Warmwasserversorgung und Gebäudeheizung nur durch Inkaufnahme erhöhter volkswirtschaftlicher Kosten zu erreichen sein wird.2  Maßnahmen wie eine Dach- und Außenwanddämmung oder auch die Sanierung von Fenstern bedeuten meist kostenintensive Investitionen in die Bausubstanz. Ein Wechsel des Wärmeerzeugers bietet oft eine deutlich günstigere Möglichkeit, Gebäude schnell und effektiv auf mehr Klimaschutz auszurichten. 3 

Zukünftig wird der Einsatz klimaschonender bzw. -neutraler Gase ein kritischer Erfolgsfaktor sein. Hierfür sprechen eine Reihe von Gründen:
So ist zunächst davon auszugehen, dass aufgrund des beschlossenen Ölheizungsverbotes der fossile Energieträger Heizöl bis 2050 aus dem Wärmemarkt verschwinden wird.4  Gleichzeitig bringt eine Vollelektrifizierung des Wärmemarkts hohe finanzielle sowie praktische Hürden mit sich. Zunehmende Elektromobilität und elektrische Wärmeerzeugung werden das bestehende deutsche Stromnetz mittel- bis langfristig stark belasten. Speziell in den Herbst- und Wintermonaten, in denen nicht ausreichend erneuerbarer Strom erzeugt werden kann, gefährdet eine solche Strategie damit potenziell die Netzstabilität. Ein Manko, das sich nur mit umfassenden Investitionen ausgleichen ließe und die Vollelektrifizierung ineffizient erscheinen lässt.5 Somit begrenzt sich die Attraktivität von Strom als Heizenergie primär auf den Neubausektor, da neu errichtete Gebäude entsprechend gesetzlicher Vorgaben künftig nur sehr geringe Wärmebedarfe aufweisen dürfen.6
Gerade im Bereich der Altbauten wird dagegen für eine Reduzierung der Emissionen im Gebäudebestand, der Einsatz des richtigen Energie-Mixes entscheidend sein.7 Und in diesem wird es neben Strom vor allem auf Gas als Energieträger ankommen. Dies ist insbesondere auf die Anpassungsfähigkeit des Energieträgers auf die Bedürfnisse einer nachhaltigen Energie- und Wärmeversorgung zurückzuführen. So gewinnen innerhalb des Gasmarktes derzeit regenerative Gase wie Biomethan verstärkt an Bedeutung. Doch auch klimaneutral erzeugter Wasserstoff bietet sich als ernst zu nehmende Alternative an. Diese Vielseitigkeit eröffnet zwei Wege, die Gasversorgung in Deutschland nachhaltig zu gestalten. Einerseits besteht die Möglichkeit, konventionelles Erdgas im Versorgungsnetz schrittweise durch Biomethan zu ersetzen. Andererseits lassen sich bestehende Gasnetze durch eine gezielte Umrüstung auf die Nutzung von Wasserstoff vorbereiten.8

Gas wird also auch zukünftig eine tragende Säule in der deutschen Wärmeversorgung bleiben. Nach Berechnungen von Zukunft Gas e. V. wird demnach im Jahr 2050 ein Gasmix zum Einsatz kommen, der zu 80 Prozent aus Biomethan und zu 20 Prozent aus klimaneutral erzeugtem Wasserstoff besteht. Daneben werden Gebäudeeigentümer über die neu entstandene Wasserstoffinfrastruktur, CO₂-frei verbrennendes Gas für ihre Wärmeversorgung nutzen können. Der Energieträgerwechsel hin zu Gas sowie der Austausch alter gasbasierter Heiztechnik gegen moderne Geräte wie Gaswärmepumpen und Brennstoffzellenheizgeräte werden so zu einem wichtigen Hebel für den Klimaschutz. Dies lässt erwarten, dass Gas die dominierende Heizenergie im Gebäudebestand bleiben wird.9
Für eine nachhaltige und funktionierende Wärmewende ist vor allem der richtige Technologiemix entscheidend – und hierbei wird Gas auch weiterhin eine Schlüsselrolle zukommen.

1,5 Zukunft Gas: Dekarbonisierung des Wärmemarkts mit Gas: https://gas.info/klimaschutz-mit-gas/dekarbonisierung-waermemarkt
2 Die Bundesregierung: Ziele der Bundesregierung. Bis 2030 die Treibhausgase halbieren: https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/klimaschutz/klimaziele-und-sektoren-1669268
3 Zukunft Gas: Moderne Heizungen als Klimaschutz-Maßnahmen: https://gas.info/klimaschutz-mit-gas/dekarbonisierung-waermemarkt/heizungen-fuer-mehr-klimaschutz
4,8,9 Zukunft Gas: Klimaneutral Wohnen. Wie die CO₂-Minderung in Wohngebäuden gelingen kann: gas.info/fileadmin/Public/gas.info/PDF-Downloads/broschuere-klimaneutral-wohnen.pdf
6 Nymoen Strategieberatung: gas.info/fileadmin/Public/gas.info/PDF-Downloads/studie-klimaneutral-wohnen-waermemarktstudie-2021.pdf
7 Geea: Gebäudestudie: Szenarien für eine marktwirtschaftliche Klima- und Ressourcenschutzpolitik 2050 im Gebäudesektor: https://www.zukunft-haus.info/studien-gesetze/studien/geea-gebaeudestudie/