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Wie Gasspeicher zur deutschen Energieversorgung beitragen

22.08.2022

Mit seinen 47 Untergrundspeichern an 33 Standorten zählt Deutschland zur Weltspitze in Sachen Erdgasspeicherung. Eine wichtige Position, denn: Die deutschen Erdgasvorkommen sind gering und die Speicher leisten einen wichtigen Beitrag zu unserer Versorgungssicherheit – nicht nur an kalten Tagen.

Mit dem vom Bundestag am 25. März 2022 verabschiedeten neuen Gasspeichergesetz stellt die Bundesregierung sicher, dass zu Beginn des Winters die Gasspeicher in Deutschland ausreichend befüllt werden. Um dieses Ziel zu erreichen, sind für unterschiedliche Zeitperioden konkrete Füllstände festgelegt, die zum 29. Juli 2022 noch einmal erhöht wurden: Vorgesehen ist, dass die Speicher zum 1. Oktober zu 85 Prozent, zum 1. November zu 95 Prozent und am 1. Februar immer noch zu 40 Prozent gefüllt sein müssen. Für ein schnelleres Einspeichern soll zudem ein neues Zwischenziel von 75 Prozent zum 1. September dienen. Die Bundesregierung hat mit dem Gasspeichergesetz eine Regulierung geschaffen, die zur Sicherstellung ausreichend befüllter Gasspeicher und zur Eindämmung heftiger Preisausschläge beiträgt.1

Erdgasspeichern kommt bei der Versorgungssicherheit und Preisstabilität in Deutschland daher eine besondere Rolle zu. Doch wie funktionieren solche Speicher? Und auf welche Kapazitäten kann sich Deutschland stützen?

Grundsätzlich lassen sich zwei Arten von Erdgasspeichern unterscheiden: Porenspeicher und Kavernenspeicher. Jeder dieser beiden Speicher verfügt über eigene Vorteile und unterscheidet sich auch geologisch von dem jeweils anderen.2

Porenspeicher können auch als natürliche Lagerstätten bezeichnet werden. Sie eignen sich vor allem aufgrund ihrer besonderen geologischen Formation dazu, Erdgas zu speichern. Diese Formationen werden Aquifere genannt.3 Wie ihr Name andeutet, befinden sich Porenspeicher in porösem Gestein, in dem Erdgas wie in einem stabilen Schwamm aufgenommen und gelagert wird. Dazu wird das Gas unter hohem Druck in die winzigen, kaum sichtbaren Poren im Gestein gepumpt. Oft handelt es sich bei Porenspeichern um ausgeförderte Erdgas- oder Erdöl-Reservoire, also solche, deren Vorkommen vollständig abgebaut wurden. Sie sind horizontal sowie vertikal abgeschlossen und große Deckschichten aus Ton und Salz decken sie nach oben hin ab, wodurch diese Reservoire besonders gut für die Erdgasspeicherung geeignet sind. Unterhalb der gasdurchlässigen Gesteinsschichten begrenzt ein wasserführender Bereich das Reservoir.4

Kavernenspeichern sind große, anthropogene Hohlräume, die zumeist in unterirdischen Salzstöcken angelegt werden. Die gasundurchlässige Barriere der Salzschicht garantiert dabei die natürliche Dichtheit der Speicher. In der Regel werden sie durch ein gezieltes Ausschwemmen, das sogenannte „Solen“, bergmännisch angelegt3, bei dem Tiefenbohrungen und kontrollierte Wasserzufuhren zum Einsatz kommen. Durch dieses Verfahren entstehen Hohlräume, die bis zu 500 Meter tief sein können und Platz für ein Volumen von bis zu 800.000 Kubikmetern bieten.5 Nach einer entsprechenden Ausrüstung wird Gas in den geschaffenen Hohlräumen ein- und ausgelagert. Im Vergleich zu Porenspeichern verfügen Kavernenspeicher über eine vergleichsweise höhere Speicherleistung. Der Grund: Anders als Porenspeicher, bei denen das Erdgas erst durch das poröse Gestein zur Bohrung strömen muss, sind Kavernen über eine Tiefbohrung direkt mit den Speicheranlagen an der Oberfläche verbunden.5

Insgesamt verfügt Deutschland über 47 Untergrund-Gasspeicher an 33 Standorten, mit einem Gesamtfassungsvermögen von etwa 23 Milliarden Kubikmetern.6 Damit nimmt Deutschland in der Weltrangliste der Speicherkapazitäten Platz vier hinter den USA, der Ukraine und Russland ein. Diese herausragende Position ist nicht nur für Deutschland von Vorteil, denn die deutschen Gasspeicher tragen gut ein Viertel zu den Gesamtspeicherkapazitäten der EU bei.7

Abschließend kann festgehalten werden: In Sachen Gasspeicherung gehört Deutschland zu den weltweit führenden Nationen und trägt dabei auch über die eigenen Grenzen hinaus zu Versorgungssicherheit und Preisstabilität bei.8 Die umfassenden Reserven helfen, tages- und jahreszeitliche sowie witterungsbedingte Schwankungen in der Nachfrage auszugleichen. So kann an kalten Wintertagen, an denen viel geheizt wird, der deutsche Gasverbrauch zu 60 Prozent aus heimischen Gasspeichern abgedeckt werden. Auch bei Ausfällen sind die Speicher eine verlässliche Quelle. Daneben fördern Gasspeicher die Effizienz, da sie einen geringeren Ausbau der Gasnetze notwendig machen. In der Zukunft werden sie dazu als zentrale Speicherlösung im Rahmen des Power-to-Gas Verfahrens auch für die Energiewende an zusätzlicher Bedeutung gewinnen.8

 

1  Bundesregierung. Volle Gasspeicher sichern Energieversorgung: https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/klimaschutz/gasspeichergesetz-2029266
2  BVEG. Speicher im Untergrund: https://www.bveg.de/Erdgas/Erdgasspeicher/Speicher-im-Untergrund
3  INES. Gasspeichertypen: https://erdgasspeicher.de/erdgasspeicher/gasspeichertypen/
4  BVEG. Porenspeicher: www.bveg.de/die-branche/speicher-in-deutschland/porenspeicher/
5  BVEG. Kavernenspeicher: www.bveg.de/die-branche/speicher-in-deutschland/kavernenspeicher/
6  BDEW. Gasspeicher in Deutschland: https://www.bdew.de/service/daten-und-grafiken/gasspeicher-deutschland/
7  INES. Gasspeicherkapazitäten: https://erdgasspeicher.de/erdgasspeicher/gasspeicherkapazitaeten/
8  BVEG. Versorgungssicherheit durch Erdgasspeicher: https://www.bveg.de/die-branche/speicher-in-deutschland/versorgungssicherheit-durch-speicher/